Andersen Keine Lust auf Rettung

Der angeschlagene Wirtschaftsprüfer erhält von den Konkurrenten Ernst & Young und Deloitte Absagen für eine mögliche Fusion.

New York - Der US-Buchprüfer Andersen hat in seinem Überlebenskampf zwei potenzielle Retter verloren. Konkurrent Ernst & Young teilte am Mittwoch mit, dass das Unternehmen sich nicht mit Andersen zusammenschließen wolle. "So lange der Fall Enron und sonstige Andersen-Klagen ungelöst sind, ist es nicht im besten Interesse unserer Mitarbeiter, unserer Kunden und unseres Unternehmens eine solche Kombination anzustreben", erklärte Ernst & Young.

Der US-Wirtschaftsprüfer Deloitte Touche Tohmatsu wird ebenfalls nicht mit dem durch die Enron-Affäre angeschlagenen Konkurrenten Arthur Andersen fusionieren. Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss seien abgebrochen worden, teilte Deloitte am Mittwoch (Ortszeit) in New York mit.

Grund seien auch hier die ungelösten rechtlichen Risiken. Andersen drohen strafrechtliche Konsequenzen, weil Mitarbeiter des Unternehmens Tausende Unterlagen und Prüfberichte über den zusammengebrochenen US-Energiekonzern Enron vernichtet hatten. Den Wirtschaftsprüfern wird vorgeworfen, manipulierte Bilanzen von Enron gedeckt zu haben.

Großkunden kehren Arthur Andersen den Rücken

Arthur Andersen hat indes wegen der Affäre zahlreiche Großkunden verloren, darunter die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines, den Pharmakonzern Merck und den Kurierdienst FedEx. Das Unternehmen sucht dringend einen Partner, um den angeschlagenen Ruf wiederherzustellen. Auch ein Totalverkauf wurde in Firmenkreisen nicht ausgeschlossen. Nachdem nun Deloitte und Ernst & Young abgewunken haben, führt Medienberichten zufolge nur noch der Wirtschaftsprüfer KPMG Gespräche mit Andersen.