Volkswagen Ein Adeliger im Aufsichtsrat

Das Kontrollgremium rückt zusammen, um an der Spitze einen Platz für Piech frei zu machen.

Wolfsburg - Der Aufsichtsrat von Volkswagen  hat am Freitag den Weg für den Wechsel von Vorstandschef Ferdinand Piech an die Spitze des Gremiums frei gemacht. Wie der Wolfsburger Autohersteller mitteilte, sollen die beiden Bankenvertreter im Aufsichtsrat, Jürgen Krumnow und Bernd W. Voss, mit Ablauf der Hauptversammlung am 16. April aus dem Gremium ausscheiden.

Piech kann so den bisherigen Aufsichtsratschef Klaus Liesen in dem Amt ablösen und der zugleich weiter in dem Kontrollgremium bleiben. Auf den zweiten im Aufsichtsrat frei werdenden Posten soll der frühere britische Handelsminister Lord David Simon of Highbury rücken.

Der Aufsichtsrat hatte bereits im September im Zusammenhang mit dem Beschluss über Bernd Pischetsrieder als künftigen VW-Chef entschieden, dass Piech der Hauptversammlung in Hamburg zur Wahl in den Aufsichtsrat vorgeschlagen werden soll.

Ein Hauch von anglo-amerikanischem Denken

Mit der Wahl Lord Simons folgt das Kontrollgremium nach Angaben aus Unternehmenskreisen einem Vorschlag Pischetsrieders, der das Amt von Piech am 17. April, also einen Tag nach der Hauptversammlung, übernehmen soll. Mit Simon will sich Volkswagen offenbar anglo-amerikanischem Denken öffnen, das internationale Investoren bei Europas größtem Automobilkonzern bisher vermissen.

In Konzernkreisen hieß es zudem, mit Simon erhalte Volkswagen weitere politische Kompetenz. Der 62-jährige Lord war unter anderem in führender Position bei dem britischen Mineralölkonzern BP tätig, dessen erfolgreiche Sanierung er betrieb. 1997 wurde Simon vom britischen Regierungschef Tony Blair als Minister für Handel und Wettbewerb in Europa berufen und 1999 zum Mitglied der Expertenkommission zur Reform des EU-Vertrages ernannt.

Mit Lord Simon könnte sich Volkswagen also Kompetenz sichern wollen, um politische Prozesse in der Europäischen Union besser einschätzen zu können und möglicherweise auch zu beeinflussen. Seine Kenntnisse könnte VW zum Beispiel im Konflikt mit der Europäischen Kommission über die bei dem Konzern geltenden Stimmrechtsbeschränkungen nutzen wollen, vermuten Branchenkenner.

Der richtige Mann gegen Monti und Co

Die EU-Kommission plant eine Richtlinie für Firmenübernahmen, die nach Worten von Binnenkommissar Frits Bolkestein bedeuten könnte, dass das Land Niedersachsen seine Vorrechte als Hauptaktionär von VW verlieren könnte. Das VW-Gesetz sieht unter anderem vor, dass das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligte Land auf Hauptversammlungen nicht überstimmt werden kann.

Der Aufsichtsrat verlängerte in seiner Sitzung am Freitag in Wolfsburg zudem die Amtszeit der beiden Aufsichtsratsmitglieder Michael Frenzel und Roland Oetker um vier Jahre. Frenzel ist Vorstandschef des Touristikkonzerns Preussag, Oetker Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.