Boeing Stichjahr 2004

Europa wird immer wichtiger, um aus der Talsohle herauszukommen.

Hamburg - "Der Luftverkehr wird in Europa schon bald wieder zu solidem Wachstum zurückfinden. Ich rechne damit, dass die Branche spätestens in der zweiten Jahreshälfte wieder im Plus ist", erklärte Heiner Wilkens, der deutsche Vizepräsident des führenden amerikanischen Luft- und Raumfahrtfahrtkonzerns Boeing am Donnerstagabend vor dem Luftfahrt-Presse-Club in Hamburg. Der frühere Lufthansa-Manager, der heute als Senior-Vizepräsident von Boeing gleichzeitig Generalmanager des US-Unternehmens für Europa einschließlich Russland ist, erwartet, dass die europäischen Airlines schon 2003 wieder Profite einfliegen werden.

"2003 bleibt zwar noch ein schwieriges Jahr, aber im Jahr 2004 ist die Branche aus der Talsohle heraus." Allerdings werde die Erholung des Marktes in Europa schneller vor sich gehen als in den USA, auch wenn dort viele Fluggesellschaften bereits im vorigen Jahr stillgelegte Strecken wieder reaktiviert hätten.

Ryanair setzt Signale

Europa bleibt nach Einschätzung von Wilkens einer der Schlüsselmärkte für Boeing. In den kommenden 20 Jahren erwartet der deutsche Boeing-Vizepräsident in Europa einen Bedarf von 6985 Flugzeugen im Wert von 456 Milliarden Dollar.

Erst jüngst habe die irische Fluggesellschaft Ryanair mit ihrer Order über 100 zweistrahlige Boeing 737-800 ein deutliches Signal gesetzt. Dass sich Boeing von diesem auch künftig sehr großen europäischen Markt im Konkurrenzkampf mit der Airbus Industrie einen gehörigen Anteil sichern wolle, sei selbstverständlich. Immerhin gehöre der US-Konzern längst zu den wichtigsten Arbeitgebern in Europa.

Hoffnungsträger Sonic Cruiser

Große Erwartungen verbindet man bei Boeing mit der Entwicklung und dem Bau des knapp unterhalb der Schallgrenze fliegenden Sonic Cruiser, der ab dem Jahre 2008 starten soll. Mit dem fast ganz aus Kunststoff gefertigten Jet will Boeing gegenüber dem in jüngster Zeit stark aufgekommenen Konkurrenten Airbus wieder einen entscheidenden Vorsprung im Luftfahrtgeschäft erringen.

"Dieses Flugzeug wird knapp unterhalb der Schallgeschwindigkeit (0,95 Mach) fliegen und trotz seiner wesentlich höheren Geschwindigkeit nicht mehr Treibstoff verbrauchen als heutige Flugzeuge dieser Größenordnung", prophezeite Wilkens. Mit diesem neuen Langstreckenjet für rund 250 Passagiere werde Boeing ein völlig neues Familien-Konzept entwickeln und die Luftfahrt revolutionieren. Nicht zuletzt deswegen, weil dieses Flugzeug angeblich wesentlich umweltfreundlicher sein wird als alles, was bisher existiert.

Karl Morgenstern

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