Mobilcom Wenn die Deiche brechen

Wenn der Partner France Télécom aussteigt, könnte die Regierung mit einem Auffangplan einspringen.

Hamburg - Im Gespräch mit Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer soll Mobilcom-Chef Gerhard Schmid über einen Notfallplan diskutiert haben: Angeblich will das Land kurzfristig bei dem Büdelsdorfer Unternehmen einspringen, falls der jetzige Partner France Télécom aussteigt. Das berichtet das "Handelsblatt".

Ein Sprecher des Landeswirtschaftsministeriums in Kiel wollte am Morgen dazu anfangs nicht Stellung nehmen - dann folgte ein schriftliches Dementi: "Das Wirtschaftsministerium arbeitet nicht an einem Notfallplan. Unternehmensinterne Vorgänge werden nicht kommentiert." Man werde auch keine Aktienpakete von Mobilcom übernehmen. Zu einer ausführlicheren Stellungnahme zeigte sich das Ministerium nicht bereit.

Mit Landesgeldern schneller ins UMTS-Geschäft?

Durchaus möglich ist demnach, dass das Ministerium nicht an einem Notfallplan arbeitet - wohl aber an einer Auffanglösung.

Die schleswig-holsteinische Landesregierung reagierte damit auf die Forderung der französischen Regierung, dass France Télécom  sein Engagement bei Mobilcom  so schnell wie möglich aufgeben solle, um eine höhere Verschuldung zu verhindern. France Télécom gehört mit einem Anteil von rund 55 Prozent mehrheitlich dem französischen Staat und ist mit 28,5 Prozent an der am Neuen Markt notierten Mobilcom beteiligt.

Der Arbeitskreis Wirtschaft der Kieler CDU-Fraktion hat ein bedrohliches Szenario nach dem möglichen Ausstieg von France Télécom entworfen: Ein anderer Konzern übernimmt Mobilcom zum Spottpreis und könnte dann die Milliarden-Anfangsverluste aus dem UMTS-Geschäft gegen eigene Gewinne verrechnen. Damit könne ein Übernahmekandidat die Verluste erneut abschreiben. Bund und Land hätten dann "erhebliche Steuerausfälle" zu verkraften, so der Leiter des Arbeitskreises, Uwe Eichelberg, gegenüber dem "Handelsblatt".

Der Streit zwischen den beiden Partnern war vor rund zwei Wochen offen ausgebrochen. Es geht um die Interpretation der zwischen den Unternehmen geschlossenen Vereinbarungen für das deutsche UMTS-Mobilfunkgeschäft. Hintergrund ist der Wunsch der France Télécom, in den nächsten Jahren möglichst wenig in die UMTS-Technik zu investieren. MobilCom plant indes einen möglichst schnellen Marktstart und will bis 2005 etwa 2,5 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren.

Der Aktienkurs von Mobilcom sackte am Donnerstag im Tagesverlauf um mehr als fünf Prozent auf 12,80 Euro ab.

Mobilcom - Dem Partner die Hände gebunden

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