Eon Ruhrgas-Chef von Müllers Gnaden

Die Spannung steigt. Der Antrag für eine Ministererlaubnis zur Ruhrgas-Übernahme liegt vor.

Düsseldorf/Berlin - Europas zweitgrößter Stromanbieter Eon  hat an diesem Dienstag, knapp einen Monat nach dem Veto des Bundeskartellamtes, eine Ministererlaubnis zur Ruhrgas-Übernahme beantragt. Der Düsseldorfer Konzern begründete den Schritt mit gesamtwirtschaftlichen Vorteilen.

Der Zusammenschluss mit dem Ferngasversorger verbessere die Wettbewerbsfähigkeit der Ruhrgas auf ausländischen Märkten, verschaffe Ruhrgas darüber hinaus einen größeren Finanzierungsspielraum und diene insgesamt dem Erhalt und der Bildung qualifizierter Arbeitsplätze in Deutschland. Zudem wollen Ruhrgas und Eon gemeinsam durch steigenden Gaseinsatz die Bundesregierung bei der Verwirklichung ihrer umweltpolitischen Ziele unterstützen.

Der Antrag ist beim Bundeswirtschaftsministerium eingegangen, teilte das Ministerium am Dienstag in Berlin mit. Mit einer Entscheidung sei im Juni zu rechnen, hieß es.

Die Ministererlaubnis kam in der Geschichte der Bundesrepublik bisher sechs Mal zum Zuge. Zuletzt war 1989 die Übernahme von MBB durch Daimler-Benz auf diesem Weg genehmigt worden. Der Antrag von Eon ist heftig umstritten. Verbraucherschützer befürchten durch die starke Stellung von Eon bei Strom und Gas Nachteile für die Kunden. Für niedrige Verbraucherpreise sei ein kräftiger Wettbewerb nötig.

Außerdem wurde auf politischer Ebene in den vergangenen Wochen über die Objektivität von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) diskutiert. Der zuständige Ressortchef war viele Jahre lang als Manager bei dem Eon-Vorläuferunternehmen Veba beschäftigt.

Der Erdgasmarkt in Deutschland

In Westeuropa werden 20 Prozent des Energiebedarfs durch Erdgas abgedeckt. Das entspricht einem Verbrauch von rund 390 Milliarden Kubikmetern. Auch in Deutschland hat Erdgas gut ein Fünftel Anteil am primären Energiemarkt. Knapp die Hälfte davon ging an die privaten Haushalte. Mittlerweile werden drei von vier Neubauwohnungen in Deutschland mit einer Erdgasheizung ausgestattet.

In Westeuropa wächst der Erdgasmarkt mit jährlich rund drei Prozent. Die Marktforscher der Ruhrgas gehen davon aus, dass Erdgas bereits 2010 seinen Marktanteil in Deutschland auf 25 Prozent ausbauen wird.

Russland liefert 37 Prozent

Erdgas ist in Europa eine recht "junge" Energie. 1959 wurde vor der niederländischen Küste das erste große Erdgasfeld entdeckt. Vorher wurde das Erdgas durch Kokerei aus Steinkohle gewonnen und wurde Stadt- oder Kokereigas genannt. Heute wird in Deutschland Erdgas vor allem in der norddeutschen Tiefebene zwischen Ems und Elbe gefördert. Mit den heimischen Vorkommen kann rund ein Fünftel des Bedarfs gedeckt werden.

Mit einem Marktanteil von 37 Prozent ist Russland Deutschlands wichtigster Gaslieferant. Mit einigem Abstand folgen Norwegen (21 Prozent) und die Niederlande (17 Prozent).