Babcock Nordatlantik-Pakt

Warum US-Firmenjäger Wyser-Pratte seine Beteiligung am Oberhausener Konzern aufstocken will.

Als sich der US-Investor Guy Wyser-Pratte (61) Anfang 2001 beim Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern einkaufte, brach für Unternehmenschef Klaus Eberhardt (53) eine Zeit der Heimsuchung an.

Neun Monate lang setzte der Amerikaner das Management des Rüstungskonzerns gezielt unter Druck. Schließlich stieg der Kurs der Rheinmetall-Aktie auf etwa das Doppelte an und der lästige Investor wieder aus.

Nun hat Firmenjäger Wyser-Pratte ein Zwanzigstel des Oberhausener Babcock-Konzerns erworben. Anders als im vergangenen Jahr Rheinmetall-Mann Eberhardt gibt sich Babcock-Chef Klaus Lederer (53), mit einer Amerikanerin verheiratet, hocherfreut über den neuen Großaktionär. Nach einem ersten Treffen jubilierte der stets umtriebige Lederer im kleinen Kreis, Wyser-Pratte sei ein ganz handfester Typ, mit dem man etwas bewegen könne.

Vor allem im Schiffbau hofft Lederer mit Hilfe des neuen Investors größere Geschäfte einzufädeln.

Seit Monaten war Lederer immer wieder in den USA unterwegs. Er suchte dort Partner, die der Kieler HDW-Werft den amerikanischen Markt öffnen könnten.

Das norddeutsche Schiffbauunternehmen gehört mehrheitlich zum Babcock-Konzern und stellt dessen wertvollstes Stück dar. Große Marktchancen besitzen insbesondere die bei HDW entwickelten von Brennstoffzellen angetriebenen Unterseeboote. Die könnten nach Vorstellung Lederers langfristig den zehnmal teureren atomgetriebenen U-Booten aus amerikanischer Produktion Konkurrenz machen.

Offenbar schätzen die Berater Wyser-Prattes dieses Potenzial genauso ein. In einer Analyse, mit der sie den Einstieg bei Babcock vorbereiteten, veranschlagten sie den Wert von HDW fünfmal höher als die Börsenkapitalisierung der Mutter Babcock.

Möglicherweise ist die Schätzung noch zu niedrig angesetzt. Denn mittlerweile soll Lederer auch einen US-Investor für die Kieler Werft gefunden haben, dessen Einstieg sich positiv auf das Geschäft auswirken könnte.

Der Geldgeber könnte ein 25-prozentiges HDW-Paket übernehmen, das zur Zeit bei einer Tochter der Bayerischen Landesbank und dem Babcock-Großaktionär Preussag zwischengelagert ist.

Mit gleich zwei amerikanischen Anteilseignern im Rücken steigen Lederers Aussichten, lukrative U-Boot-Aufträge von der U. S. Navy und ihren Verbündeten nach Kiel zu ziehen. Dem Vietnam-Veteranen Wyser-Pratte werden exzellente Kontakte nach Washington nachgesagt.

Wegen der guten Aussichten plant der Amerikaner nun sogar, die Babcock-Beteiligung auf bis zu 10 Prozent aufzustocken. Im Gegensatz zu seinem Engagement bei Rheinmetall scheint er diesmal nicht auf einen schnellen Ausstieg hinzuarbeiten.

Womöglich macht dem als Rambo verschrienen Investor die Rolle des Unternehmers mehr Spaß als die des bloßen Unruhestifters.