Deutsche Bank Joe bleibt lieber stumm

Warten auf den Auftritt von Josef Ackermann. Der lässt die Spannung steigen und hält sich mit Äußerungen zurück. Vorstandschef Rolf Breuer hat noch immer das Wort - wenn auch nicht mehr das Heft des Handelns.

Frankfurt am Main - Auf der Bilanzpressekonferenz ist manches Rätsel gelöst worden: Wir wissen nun, dass Josef Ackermann seinen Wohnsitz nicht in der Schweiz, nicht in London und nicht in New York hat. Er wohnt in Frankfurt am Main und zahlt dort, und nur dort, wie er sagt, seine Steuern und das bereits seit sechs Jahren. Nein, er wollte und will nicht CEO nach angelsächsischem Modell sein. "Das deutsche Aktienrecht ist mir bekannt."

Der plötzliche Abgang von Thomas Fischer - Ex-Vorstand und Ex-Risikomanager - wirft außerhalb der Deutschen Bank zwar noch Fragen auf, ist beim Branchenprimus selbst aber kein Thema mehr. Dennoch wird er nicht vor die Tür gesetzt, sondern darf ein Büro in den Zwillingstürmen behalten. Moderne Konfliktlösung.

Darüber hinaus ist anschaulich demonstriert worden, dass Ackermann in einem spannungsgeladenen Raum beinahe tatsächlich unbeweglich wie eine Sphinx sitzen kann und der Trubel der vergangenen Wochen Vorstandschef Rolf Breuer nichts von seiner Bräune genommen hat. Nach außen gibt sich der Vorstandschef wie gewohnt eloquent und gelassen, ganz Weltmann, und unterstreicht diese Rolle mit den Worten: "Ich bin der Champ."

Bei der Veranstaltung, auf der neben der mageren Bilanz des Jahres 2001 die neue Führungsstruktur präsentiert wurde, hat Breuer die Zuhörer nicht lange auf die Folter gespannt, er kam gleich zum Thema. Ein verändertes Marktumfeld, gerade auch in Deutschland, erfordere Mut zu neuen Wegen. Die Deutsche Bank habe sich entschieden, die Spitze, sprich den Vorstand, auszudünnen und ihm die Verantwortung für den geschäftlichen Rahmen - strategische Planung, Ressourcenkontrolle, Risikomanagement - zu übergeben. "Keiner der Vorstände trägt mehr Verantwortung für Geschäfte." Um die kümmerten sich nun die "Global Business Heads", rund um die Welt verstreute Spitzenkräfte, die für mehr Kundennähe der neuen Führung sorgen sollen. Breuer sprach von "geborenen" (Vorständen) und "erkorenen" Managern.

Limitierte Lust

Ansonsten blieben zahlreiche Fragen offen. Soll mit der neuen Führung Josef Ackermann nicht wenigstens im Sinne eines angelsächsischen Chief Executive Officer gestärkt werden? Breuer und Ackermann sagen "nein". Also war es nix mit der Idee von der Identifikationsfigur, die die grobe Linie für die Zukunft vorgeben soll? Die Aufstellung des Exekutivkomitees spricht eine andere Sprache.

Etwas merkwürdig klang vor dem Hintergrund die Antwort Breuers auf die Frage, weshalb sich die Deutsche Bank gerade jetzt eine neue Struktur auferlegt: Es sollen die Karriereaussichten für führende Nachwuchskräfte verbessert werden. "Die Lust" in den noch bestehenden Vorstand vorzurücken sei "limitiert". Letztlich sollen mehrere die Chance erhalten, in die Spitze, also in das Exekutivkomitee zu kommen.

Von "Amerikanisierung" will Breuer gleichzeitig nichts wissen. "Das höre ich höchst ungern." Dass zunehmend Spitzenkräfte aus dem angelsächsischen Raum Platz nähmen auf den Chefsesseln der Deutschen Bank, sei vor allem das Resultat eines erbärmlichen Bildungswesens, dass zu wenige Führungskräfte hervorbringe. Die ganze Reform des Führungssystems ist also das Resultat unseres desolaten Schulsystems?

Träume von der Themse

Und Josef "Joe" Ackermann? Der hält sich in gewohnter Manier zurück, spricht von Teams mit Führungsspitzen und von einer global agierenden Bank, die selbstverständlich und zum Glück tief in Frankfurt verwurzelt ist und bleiben soll. Lieber aber sagt er nichts, richtet seinen Blick in die Ferne - wahrscheinlich Richtung Hudson und Themse - während Rolf Breuer seinen großen Auftritt hat.

Die Bilanz 2001 macht es deutlich - die Deutsche Bank muss sich dem verändernden Marktumfeld anpassen, und zwar schnell. Ob sie den Anschluss an die globale Spitze nun durch mehr Teamarbeit oder mit einer einzelnen starken Führungsperson schaffen will und wird - oder nicht wird - zeigt die Zukunft. Eine klare Antwort gab es darauf nicht. Und last but not least hat auch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen seinen Segen noch nicht gegeben. "Wir lassen uns von der Entscheidung des Aufsichtsrats nicht unter Druck setzen", war heute aus Bonn zu hören. Die Pläne der Deutschen Bank seien sehr individuell und bedürften einer individuellen Prüfung. Die nächsten Wochen und Monate werden also noch manche Antwort bringen.

Katy Hillmann

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