Deutsche Bank Das angelsächsisch-deutsche Modell

Der künftige Vorstandschef Josef Ackermann ist dabei, sich in die Position eines Chief Executive Officers zu bringen. Als CEO laufen alle Fäden bei ihm zusammen. Keine leichte Aufgabe bei einem 90.000-Mitarbeiter-Konzern.

Frankfurt am Main - Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, der Aufsichtsrat hat entschieden, was bereits allgemein bekannt ist und morgen endlich offiziell einem breiten Publikum serviert werden soll: Die Führungsspitze der Deutschen Bank wird umgebaut, Risikomangager Thomas Fischer geht und Josef Ackermann erhält mit seiner Wahl zum Vorstandschef im Mai Kompetenzen wie vor ihm kein anderes Oberhaupt der Deutschen Bank.

Mit dem deutsch-angelsächsischen Führungs-Modell - die deutschen Formen werden im Sinne des Aktiengesetzes gewahrt; der Vorstandschef agiert dennoch mit einem Exekutivkomitee als seiner rechten Hand wie ein CEO - soll der Anschluss an die globale Spitze wieder erreicht werden. Im Investmentbanking hat Ackermann sein Können bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im vergangenen Jahr hat dieser Geschäftsbereich über 60 Prozent zum Konzerngewinn beigesteuert. Doch seine neue Aufgabe ist um einiges diffiziler.

"Es ist ja nicht so, das die Strukturen völlig neu entwickelt werden", sagte ein vorstandsnaher Mitarbeiter gegenüber manager-magazin.de. Josef Ackermann stütze sich auf weltweite Einheiten, die bereits bestehen und ihm auch jetzt schon zuarbeiten. Diskutiert würde derzeit in erster Linie die Führungsspitze. Entscheidend sei aber nicht zuletzt der gesamte Unterbau. Ackermann habe sich längst eine Ebene geschaffen mit Managern, die auch jetzt schon zu seinem engsten Beraterstab gehören.

Das Marktumfeld gebiete eine stärkere Globalorientierung. Und auf diese Anforderung werde reagiert. Im Grunde habe die Deutsche Bank diesen Prozess bereits vor einem Jahr eingeleitet mit ihrer Zweiteilung in eine Investment- und eine Vertriebsseite.

Damals kündigte der deutsche Branchenprimus den Umbau von bisher fünf in nur noch zwei Bereiche an: Einen für Firmen und Institutionen und einen für private Kunden. Unter das Dach der Unternehmen und institutionellen Kunden kamen die Felder Firmenkunden, Investmentbanking, Immobilien und Finanzinstitutionen. Die Führungsrolle übernahm von Beginn an Josef Ackermann.

Dem Bereich Vermögensverwaltung und Privatkunden wurden die Deutsche Bank 24, das Private Banking und andere Vertriebswege zugeteilt. Personelle Konsequenzen an der Konzernspitze gab es damals nicht, und auch die zentralen Bereiche von Vorstandssprecher Rolf E. Breuer (Beteiligungen, Führungskräfte, Marketing, Kommunikation, Presse, Recht, Volkswirtschaft) von Clemens Börsig (Controlling, Steuern, Revision) und Thomas Fischer (Risikomanagment) blieben unangetastet. "Nun wird der Umbau auch in der Spitze umgesetzt - eine konsequente Fortsetzung", war aus den Kreisen zu hören.

Es liegt nahe, dass dieser Umbau auch Arbeitsplätze kosten wird. Auf dem Weg zu mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit muss sicher vor allem die kostenträchtige Vertriebsschiene bluten. Kleiner Trost: Die Arbeitsplätze, die bleiben, werden vermutlich sicherer sein.

Katy Hillmann

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