Deutsche Bank Vorreiter oder Hiobsbote?

Der Umbau der Führungsstruktur und die Verlagerungspläne nach London belasten den Finanzplatz Frankfurt.

Hamburg/Frankfurt - Obwohl sie nicht die höchsten Gebäude in der Frankfurter Skyline sind, gelten die Zwillingstürme der Deutschen Bank als das Symbol für Geld und Macht schlechthin. Auch in dieser Woche richten sich nicht nur die Augen der knapp 100.000 Mitarbeiter auf den Branchenprimus. Hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren in der deutschen Finanzbranche doch immer wieder die Vorreiterrolle übernommen.

Für die Frankfurter Bankenszene käme eine Abkehr der Deutschen Bank vom Heimatmarkt dem Ausstieg des FC Bayern München aus der Fußball-Bundesliga gleich. Immer häufiger werden daher Stimmen laut, die eine Image-Kampagne für den Bankenplatz Frankfurt fordern. Auch die Oberbürgermeisterin der Mainmetropole, Petra Roth (CDU), steht verstärkt in der Kritik. Allerdings hat sie angesichts der prekären Finanzlage Frankfurts ganz andere Sorgen. Erst am Wochenende hatte sie auf dem Deutschen Städtetag ein mögliches Vorziehen der nächsten Stufe der Steuerreform abgelehnt, da die Kommunen schon jetzt an der Obergrenze der Belastungen seien.

14 zu 5 für Frankfurt

Bleibt die Verantwortung für die Attraktivität des Bankenplatzes also bei den 339 am Main ansässigen Banken hängen, von denen 203 in Frankfurt ihren deutschen Hauptsitz haben. 14 der 50 größten inländischen Kreditinstitute sind in "Mainhattan" beheimatet.

Frankfurt hat vor dem innerdeutschen Hauptkonkurrenten München die Nase deutlich vorn: Nur fünf der deutschen Top-Banken haben die bayerische Hauptstadt als Heimatanschrift im Briefkopf. Insgesamt tummeln sich 117 Geldhäuser an der Isar.

An der Stellung Frankfurts wollen auch die "Abtrünnigen" nicht rütteln. "Frankfurt ist unbestritten der Finanzplatz in Deutschland", sagt Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz, der neben seinem Amtssitz in Frankfurt zugleich als Allianz-Vorstand ein Büro in München hat.

Nur ein Lippenbekenntnis

Die bisherigen Bemühungen der Banken, das wirtschaftliche Image zu steigern, blieben allerdings ohne große Wirkung. So sitzen zwar zahlreiche Top-Banker - zum Beipsiel Rolf-E. Breuer (Deutsche Bank) oder Leonhard Fischer (Dresdner Bank) - im Vorstand des Finanzplatz e.V., der es sich nach eigenen Angaben zum Ziel gemacht hat, "Fakten zu verändern und die Wahrnehmung aller Finanzmarktakteure für die Vorteile des Standorts Deutschland zu schärfen." Allein das peinliche Gezerre um die Dresdner Bank in den vergangenen Jahren entlarvte diese hehren Ziele aber als reine Lippenbekenntnisse.

Gründe für diese Mischung aus Lethargie und Überheblichkeit waren sicherlich der Zuschlag für Frankfurt als Sitz der Europäischen Zentralbank sowie die Börseneuphorie Ende der 90er Jahre. Nun scheint es einmal mehr an der Deutschen Bank - und damit Josef Ackermann - zu sein, die Rolle des Vorreiters und Agent Provokateurs zu übernehmen.

Arne Stuhr mit Agenturen

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