Deutsche Bank Das Reformhaus

Ein Finanzkonzern als permanente Baustelle - radikaler denn je wird die Spitze des größten deutschen Geldhauses umorganisiert. Die meisten Führungskräfte fügen sich, einer möchte nicht mitspielen.

Diesmal steckte kein kluger Kopf dahinter. Von finsteren Machenschaften in der Zentrale der Deutschen Bank wusste die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") ihren Lesern zu berichten.

Der designierte Vorstandssprecher Josef Ackermann (53) wolle sich zum Chief Executive Officer nach angelsächsischem Vorbild aufschwingen, Noch-Oberaufseher Hilmar Kopper (66) und Consultant Roland Berger (64) machten sich angeblich im Kanzleramt für eine entsprechende Gesetzesänderung stark. Anschließend wolle Ackermann "wesentliche Teile der Bank, die noch nicht in London oder New York ansässig sind, dorthin verlagern" ("FAZ").

"Ein bizarres Stück mit extrem viel Unsinn" sei da geschrieben worden, sagt ein Vorstand der Deutschen Bank. Kopper war stinksauer; einen lange geplanten Gesprächstermin bei der Zeitung sagte er ab.

Die für den 31. Januar angesetzte Bilanzpressekonferenz, in der die dritte Reorganisation binnen zwei Jahren verkündet werden sollte, war verdorben. Nun war schon vorher öffentlich: Die Deutsche Bank soll künftig mit einem kleinen Holdingvorstand auskommen.

Der wird zunächst aus sechs Köpfen, nach dem für Mai 2002 geplanten Wechsel von Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer (64) in den Aufsichtsrat aus fünf Mitgliedern bestehen. Das operative Bankgeschäft steuert ein Group Executive Committee.

Das neue Führungskonzept, das der Aufsichtsrat am 30. Januar genehmigen soll, ist intern nahezu unumstritten. Kritik aus dem Vorstand kam lediglich vom obersten Risikomanager Thomas Fischer (54). Der drohte offen mit Rücktritt, angeblich weil die Bank weitere Einheiten aus Frankfurt abziehen wolle.

Vermutlich hatte Fischer eher persönliche Motive. Er kann wohl immer noch nicht verwinden, dass Ackermann ihn im Kampf um die Breuer-Nachfolge ausgestochen hat. Und jetzt muss er auch noch hilflos mit ansehen, dass ihm die Funktion des Chief Operating Officers (COO) weggenommen und dem Vorstandskollegen Hermann-Josef Lamberti (45) zugewiesen wird.

Das war für den selbstbewussten Manager, der sich ohnehin für den geborenen CEO hält, zu viel. Er machte seinem Ärger im Vorstand Luft. Hiervon erfuhr offenbar die "FAZ".

Der Riss im Vorstand ist tief - zu tief, wie viele meinen. Ob Fischer selbst kündigt oder ob er abgelöst wird: Eine Trennung scheint unausweichlich.

"Never stop reorganizing"

Der Zwist bleibt ohne Folgen für die Führungsstruktur. An deren Weiterentwicklung basteln Breuer und Ackermann seit November. Wichtigste Neuerung: Erstmals in der Geschichte der Deutschen Bank wird der Vorstand von operativen Aufgaben befreit.

Das Bankgeschäft wird künftig nach angelsächsischem Muster gesteuert. Kraftzentrum ist das Group Executive Committee mit dem Vorstandssprecher an der Spitze.

Dem Gremium gehören neben dem Vorstand die Leiter der wichtigsten Geschäftseinheiten an, darunter der für einen Großteil des Firmengeschäfts verantwortliche Jürgen Fitschen (53) und Michael Philipp (48), oberster Vermögensverwalter der Bank. Beide verlassen ihre Vorstandsposten.

In das Committee soll auch noch ein neuer Chef für das Geschäft mit der reichen Privatklientel (Private Banking) von der Schweizer UBS berufen werden. Bis auf die Vorstände berichten alle Mitglieder an den Chairman. So hat die Bank einen eleganten Weg gefunden, angelsächsische Führungsprinzipien mit dem deutschen Aktienrecht zu versöhnen.

Im Vorfeld hatten Breuer und Ackermann zahllose Modelle diskutiert und wieder verworfen. Noch zwei Wochen vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung stand nicht endgültig fest, wer in das neue Leitungsgremium einrücken würde.

So war die Zukunft Lambertis bis zuletzt offen. Dass er dem Vorstand weiter angehört, liegt vor allem an Philipps Entscheidung, vorerst an Bord zu bleiben. Seit Jahren schon ist der Amerikaner auf dem Sprung. Wäre er gegangen, hätte Lamberti den Vorstand verlassen und in die Operative wechseln müssen.

Breuer und Ackermann können aber nicht mehr lange mit Philipp planen. Über kurz oder lang wird er aussteigen. Dann muss Lamberti doch in das Group Executive Committee umziehen. In diesem Fall würde der Vorstand auf vier Köpfe schrumpfen.

Nach Ackermanns Vorstellung reichen sogar drei. Wenn Tessen von Heydebrecks (56) Vertrag ausläuft, soll kein Nachfolger berufen werden.

Damit sind die Umbauarbeiten längst nicht abgeschlossen. Breuer und Ackermann nehmen den Grundsatz "Never stop reorganizing" wörtlich. Ackermann will den Bereich Private Clients and Asset Management neu sortieren. Etliche Geschäfte passen nicht zueinander.

Abgehakt ist nur das Thema Standort. Faktisch werden die meisten Geschäfte zwar von London aus gesteuert. Ein Finanzinstitut, zumal mit Namen Deutsche Bank, braucht aber eine Heimatadresse.

Deshalb herrscht in der Standortfrage Konsens: Juristischer Sitz bleibt Frankfurt/Main.

Arno Balzer

Verwandte Artikel