Enron FBI greift ein

Nun ermittelt auch die US-Bundespolizei wegen der groß angelegten Schredder-Aktion bei dem Pleite-Konzern. Außerdem wurde bekannt, dass Chairman Kenneth Lay vor der Pleite massiv Aktien verkaufte.

Houston - Seit Dienstag ist die umfangreiche Aktenvernichtung im Zusammenhang mit der Enron-Pleite ein Fall für das FBI. Wie ein Anwalt des Konzerns mitteilte, hat die Bundespolizei mit Verhören begonnen, um zu klären, auf wessen Veranlassung tausende von Bilanz-Unterlagen vernichtet wurden.

Nach Angaben des Juristen hat Enron  sich selbst an das Justizministerium und an die US-Wertpapieraufsicht SEC gewandt und darum ersucht, aufzuklären, was geschehen ist. Eine ehemalige Enron-Managerin hatte zuvor dem Fernsehsender ABC berichtet, die Vernichtung der Dokumente habe im November - nach Beginn der staatlichen Ermittlungen - begonnen und sei bis letzte Woche weitergegangen.

Auch Andersen-Angestellte werden vorgeladen

Ermittler des US-Kongresses kündigten unterdessen in Washington an, dass führende Manager der für Enron tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen für eine Anhörung am Donnerstag vorgeladen werden. Ein ehemaliger Wirtschaftsprüfer hatte kürzlich zugegeben, dass Enron-bezogene Akten vernichtet wurden. Außerdem gibt es Vorwürfe, dass die Prüfer trotz Zweifel an den Bilanzpraktiken des Konzerns nicht aktiv wurden.

Die engen Verbindungen zu Enron könnten auch US-Präsident George W. Bush in Bedrängnis bringen. So hatte der Präsident des Unternehmens, Lawrence Whalley, im Finanzministerium um Hilfe bei den Verhandlungen mit den Banken gebeten. Enron gehörte zu den größten Geldgebern für den Präsidentschaftswahlkampf Bushs. Enron, einst das siebtgrößte Unternehmen der USA, hatte am 2. Dezember Konkurs angemeldet, nachdem Übernahmeverhandlungen mit Dynegy gescheitert waren.

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass prominente Vertreter der Bush-Administration versucht hatten, für den bankrotten Energiekonzern Milliarden-Schulden in Indien einzutreiben. An der Aktion waren US-Vizepräsident Richard Cheney und weitere ranghohe Beamte beteiligt, hieß es.

Das geht aus Dokumenten hervor, die das Weiße Haus am Freitagabend in Washington veröffentlichte. Sprecher Ari Fleischer sagte zur Erklärung, Cheney habe sich lediglich um Schadensbegrenzung für die amerikanischen Steuerzahler bemüht.

Auch Schwiegermutter von Bush verlor Geld

US-Präsident George W. Bush, dessen Regierung wegen enger Verbindungen mit Enron in die Schusslinie geriet, charakterisierte seine Familie inzwischen als ein Opfer der Milliardenpleite vom vergangenen Dezember. Seine Schwiegermutter Jenna Welch habe als Besitzerin wertlos gewordener Aktien mehr als 8000 Dollar eingebüßt, sagte Bush am Dienstag (Ortszeit) in einer Rede im Bundesstaat West Virginia.

Unterdessen wurde bestätigt, dass auch die Bayerische Landesbank Girozentrale (BayernLB) vom Zusammenbruch des US-Energiekonzerns betroffen ist. Nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Capital" muss die Bank einen Betrag von über 100 Millionen Euro voll wertberichtigen.

Chairman verkaufte vor der Pleite massiv Aktien

Bekannt wurde außerdem, dass Kenneth Lay, Chairman der Enron Corporation, im September und Oktober Aktien seines Unternehmens im Wert von mehreren Millionen Dollar verkaufte, nachdem er seinen Mitarbeitern zum Halten der Anteile geraten hatte. Dies wurde vom ehemaligen SEC-Mitarbeiter Ira Lee Sorkin bestätigt.

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