Allianz Wird Beiersdorf zum Spielball?

Der Versicherer erwirbt klammheimlich die Mehrheit an Beiersdorf. Damit ist der Traditionskonzern (Nivea, Tesa) über Nacht zum Spielball der Allianz geworden, die das Paket gleich weiterreichen könnte. Henkel, L'Oreal oder Johnson & Johnson werden bereits als potenzielle Käufer gehandelt. Verantwortlich für den Coup ist Allianz-Vorstand Paul Achleitner.
Von Christian Buchholz und Petra Schlitt

München - Die Allianz AG hat ihre Beteiligung am Hamburger Beiersdorf-Konzern weiter aufgestockt. Die Tochter Allianz Leben habe ein Paket von unter fünf Prozent vom Beiersdorf-Pensionsfonds "Troma" gekauft, sagte eine Allianz-Sprecherin in München. Dadurch sei die Beteiligung des Konzerns an dem Produzenten von Beauty- und Pflegeprodukten von 38 auf 43,6 Prozent gestiegen.

Nach einer Vorab-Meldung des "manager magazin" (Februar-Ausgabe, erscheint kommenden Freitag) kontrolliert die Allianz einschließlich Optionen mittlerweile sogar mehr als 50 Prozent des Kapitals. Der Gegenwert entspricht nach dem aktuellen Aktienkurs von Beiersdorf mehr als 5,5 Milliarden Euro. Die Aktie des Hamburger Traditionskonzerns konnte im Verlauf des Montags um mehr als fünf Prozent zulegen.

Allianz-Vorstand Paul Achleitner hatte die Beiersdorf-Beteiligung wiederholt als interessantes Finanzinvestment bezeichnet. Mit dem Ausbau des Engagements durchkreuzt die Allianz den Plan der Tchibo-Eignerfamilie Herz, ihr 30-Prozent-Paket an Beiersdorf zu einer Mehrheitsbeteiligung auszubauen. Außerdem eröffnet sich Allianz-Finanzchef Achleitner durch den Erwerb der Beiersdorf-Mehrheit bessere Möglichkeiten, das Paket zu veräußern.

Ein möglicher Käufer ist die Henkel AG, bei der Achleitner selbst im Gesellschafter-Ausschuss sitzt. Allerdings gilt der Düsseldorfer Konzern als nicht finanzstark genug, um ein börsenrechtlich vorgeschriebenes Angebot an alle Aktionäre zu machen.

Als kaufkräftigere Interessenten gelten der amerikanische Konsumgütermulti Johnson & Johnson, der französische Konzern L'Oreal sowie Procter & Gamble.

Die Familie Herz hatte laut früheren Medienberichten ebenfalls die Übernahme der Mehrheit beim Kosmetikkonzern Beiersdorf geplant. Derzeit hält sie über die Tchibo Holding AG 30 Prozent. Die Aufstockung könnte mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Zigaretten-Gruppe Reemtsma bezahlt werden. Allerdings besteht Unklarheit über die konkreten Pläne von Tchibo, da die Familie Herz als Mehrheitseigner tief zerstritten ist.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.