Deutsche Telekom Gebühren vor Gericht

Telekom-Großkunde will vor Gericht Millionen falsch berechneter Gebühren zurückfordern.

Bonn - Der Streit zwischen der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen) und der Einkaufsgemeinschaft Communitel um zigtausend fehlerhafte und überhöhte Rechnungen geht in die nächste Runde. Die Telekom verheddert sich zunehmends in Widersprüche.

Während bei dem Telekom-Großkunden Communitel neue Fälle von Falschabrechnungen der Telekom eingehen, hat der Ex-Monopolist inzwischen eine Klage gegen Communitel eingereicht. Vor dem Landgericht Bonn fordert die Telekom die Begleichung von Außenständen in Höhe von rund 17 Millionen Mark. Gleichzeitig versucht der Konzern, Communitel-Kunden schriftlich abzuwerben, und versichert dazu, dass es eine "fehlerhafte Rechnungsbearbeitung" nicht gebe.

Vorwärts-Verteidigung der pinkfarbenen Nummer eins?

Peinlich nur, dass der Bonner Konzern genau diese Fehler in der eigenen Klageschrift ausdrücklich einräumt, allerdings nicht in der von Communitel-Chef Bernd Stötzel behaupteten Größenordnung. Dass sich die Telekom mit ihrer Klage durchsetzen kann, bezweifeln deshalb nicht nur die Communitel-Juristen.

Juristische Schritte, so ein Telekom-Manager, habe man aus rein formalen Gründen einleiten müssen: Alles andere wäre ihnen als "komplettes Schuldanerkenntnis" ausgelegt worden.

Und das hätte die Telekom unangenehm getroffen - denn in Sachen Communitel stapeln sich bereits massenhaft Protestbriefe auf dem Vorstands-Schreibtisch von Ron Sommer. Der Verein Communitel nennt sich "Interessengemeinschaft der gewerblichen und privaten Telefonnutzer", Mitglieder konnten zu Tarifen telefonieren, die teilweise mehr als 50 Prozent unter den Standardtarifen der Telekom lagen.

Telekom verweigert weitere Zusammenarbeit

Doch die Telekom hat die Rabatte für Communitel gekündigt und verweigert die weitere Zusammenarbeit mit dem Großkunden, dessen rund 3500 Mitglieder ihr Monat für Monat bis zu zwei Millionen Mark Umsatz brachten.

Da erst im vergangenen November gekündigt wurde und die Vertragslaufzeiten nicht eindeutig für Communitel-Kunden geregelt seien, sieht Communitel-Gründer Bernd Stötzel dem Verfahren schon gespannt entgegen: "Umgedreht wird ein Schuh daraus: Unsere Forderungen an die Telekom liegen weit höher." Vor Gericht will Stötzel sein Recht durchsetzen und die Kündigung anfechten.

Möglicherweise werden auch von Stötzel und seinem Justiziar Thomas Wolfgang Obitz bereits erhobene Vorwürfe auch in den Gerichtsprozess einfließen: "Die Rechnungen der Telekom sind grundlegend falsch", behaupten sie und bestärken so ein unter rund 40 Millionen Kunden weit verbreitetes Misstrauen.

Reichhaltiges Beweismaterial für Fehler in Rechnungen

Anders als die meisten Telekom-Kunden kann sich Stötzel auf akribisch zusammengetragenes Zahlenmaterial stützen. Zumindest im Fall Communitel ist er überzeugt, dass der Bonner Telefongigant für die 13.000 Anschlüsse, die Communitel für seine Kunden geschaltet hatte, massenhaft falsche Rechnungen verschickt hat.

Nach Analyse von mehr als 100 Millionen Datensätzen, aus denen sich am Ende Telefonrechnungen mit einer Gesamtsumme von gut 27 Millionen Mark ergeben, kommt Wirtschaftsingenieur Stötzel zu dem Ergebnis: "In den beiden letzten Jahren waren die Rechnungen der Telekom um durchschnittlich 46 Prozent zu hoch."

"Völlig absurd", hält die Telekom dagegen. Zwar sei es bei Communitel zu Falsch- und Doppelabrechnungen gekommen. Die seien jedoch ausschließlich darauf zurückzuführen, dass der Kunde von Anfang an mit einem für seine Größe unpassenden Tarif mit zahlreichen Sonderkonditionen abgerechnet wurde.

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