Autohersteller Wer macht das Rennen?

Das Jahr 2002 steht im Zeichen der Konjunkturflaute. Analysten sehen bei BMW noch die besten Chancen, den Absatz zu steigern. VW sitzt auf einem veralteten Golf und Mercedes-Benz hat mit Chrysler eine schwächelnde Schwester im Nacken.

Hamburg - "In Schwächephasen entwickeln sich generell Premiummodelle besser als Volumenmodelle", sagt ein Branchenexperte gegenüber manager-magazin.de. Von daher hätten BMW und Mercedes-Benz unter den großen deutschen Auto-Herstellern die bessere Ausgangsposition verglichen mit Volkswagen.

BMW  hatte bereits im Dezember angekündigt, im Jahr 2002 erstmals in der Unternehmensgeschichte mehr als eine Million Autos zu verkaufen. Der Mini ist ganz neu im Sortiment und pusht den Absatz. Darüber hinaus ist der 7er, nachdem er 2001 neu auf den Markt kam, wieder voll verfügbar. "Bei BMW kann ich mir einen neuen Absatzrekord deshalb ohne weiteres vorstellen", so der Experte.

Den Erfolgskurs der Münchener sieht er durch den Führungswechsel nicht gebremst. Im Mai übernimmt Helmut Panke den Vorstandsvorsitz von Joachim Milberg.

Kaufen bis der Arzt kommt

Mercedes-Benz stellt im Januar in Brüssel die neue E-Klasse vor, die neben der C-Klasse das Volumenmodell der Schwaben ist. Das sorgt für positive Impulse. Allerdings bekommt DaimlerChrysler  den Absatzeinbruch in den USA durch seine Tochter Chrysler in voller Härte zu spüren.

Der Gesamtmarkt in den USA werde um neun Prozent von 17,1 Millionen abgesetzten Autos 2001 auf 15,5 Millionen Autos 2002 schrumpfen, sagt Analyst Michael Raab von Sal. Oppenheim. Auf Grund der Rabatte und Zinsen von Null Prozent wurden Ende 2001 noch Autos von General Motors, Ford und Chrysler gekauft "bis der Arzt kommt". Diese Nachfrage falle 2002 weg.

Chrysler plante im Februar 2001 noch, im Laufe des Jahres 2002 die schwarze Null zu erreichen. "Das sieht aufgrund der negativen Preis- und Mengeneffekte nun schwierig aus", so Raab.

Keine leichte Aufgabe für Pischetsrieder

Auf Volkswagen  und seinen neuen Vorstandschef Bernd Pischetsrieder kommen ebenfalls schwierige Zeiten zu. Pischetsrieder tritt im April die Nachfolge von Ferdinand Piëch an.

Mit Häme bezüglich der Namensgebung des neuen Vorzeigeobjekts, dem "Pheaton", endete das Jahr 2001. Ein schlechtes Omen? Das Gezerre um das mehr als 40 Jahre alte und von Brüssel missbilligte VW-Gesetz dürfte 2002 weitergehen. Das Gesetz räumt dem Land Niedersachsen als größtem Aktionär (knapp 20 Prozent) Sonderrechte ein und erschwert dadurch eine feindliche Übernahme. Die Flaggschiffe Golf und Passat kommen erst 2003 in überarbeiteter Form auf den Markt. Somit haben die Konkurrenten Fiat und Peugot gute Chancen, Marktanteile zu gewinnen.

Immerhin: Pischetsrieders Strategie, die Autopalette in zwei Linien zu gliedern - eine klassische mit VW, Skoda, Bentley und Bugatti im Programm und eine sportliche mit Audi, Seat, Lomborghini - begrüßen Analysten. "Wir müssen allerdings erst abwarten, was konkret hinter dem Konzept steht."

Margen-Bringer Cayenne

Die Terroranschläge vom 11. September bekam auch der Zuffenhausener Luxushersteller Porsche zu spüren: Nach einer Reihe von sehr erfreulichen Monaten brach beim Boxster der Absatz um bis zu 40 Prozent ein. "Der 911er hielt sich in der Folgezeit der Anschläge aber erstaunlich gut", sagt ein Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

2001/2002 würden Absätze und Umsätze bei Porsche  gegenüber dem vorigen Geschäftsjahr auf jeden Fall wieder steigen. "Bei dem Geländewagen Cayenne, der im Herbst auf den Markt kommt, wird mit einer Marge von über 15 Prozent gerechnet. Und das ist eine konservative Schätzung", so der Helaba-Analyst. Der Cayenne profitiere von Synergie-Effekten aus der Zusammenarbeit mit VW. Verglichen mit anderen Porsche-Modellen seien die Herstellungskosten niedrig. "Insgesamt sieht es für Porsche nach einem Erfolg versprechenden Jahr aus."

Katy Hillmann


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