Lufthansa Germania-Linie auf Konfrontationskurs

Kampfpreise von Mitbewerbern und jede Woche 100 Millionen außerplanmäßiges Minus.

Köln - Der Charterflieger Germania will in Deutschland ein Liniennetz aufbauen und mit Billigangeboten den Marktführer Lufthansa angreifen. Damit hat sich für Lufthansa-Chef Jürgen Weber zu einem bereits bestehenden Bündel von Problemen ein neues dazugesellt.

Frankfurt-Berlin für 55 Euro

Mit dem Germania-Kampfpreis von 55 Euro für die Strecke Frankfurt-Berlin kann die Lufthansa beispielsweise nicht mithalten. Das Angebot, das auch online zu buchen ist, läuft laut Aussage von Germania-Geschäftsführer Mustafa Muscati "sehr gut". Ab 1. Dezember soll die Strecke Köln-Berlin ebenfalls für 55 Euro ins Angebot genommen werden. Trotz der gescheiterten Gespräche über eine Übernahme der Deutschen BA (British Airways) will die Charterfluggesellschaft in den kommenden Jahren ein umfassendes Linienflugnetz aufbauen.

Nach der Deutschen BA und dem Regionalflieger European Air Express (EAE) ist Germania somit die dritte Gesellschaft, die der Lufthansa auf Inlandsflügen Konkurrenz macht.

Germania: "Kurzfristig neue Jumbos kaufen"

Steigt mit den sinkenden Preisen die Passagierzahl, ist Muscati vor einem Engpass nicht bange: "Sollte der Andrang sich stark erhöhen, können wir zusätzliche Maschinen nach Deutschland holen, die noch im Ausland eingesetzt werden", sagte Muscati gegenüber mm.de. Auch die Möglichkeit, "kurzfristig neue Jumbos zu kaufen", stehe der Germania offen.

Gegen die Lufthansa hat der Germania-Geschäftsführer jetzt nach eigener Aussage Klage eingereicht. Deutschlands größte Airline hatte mit Preissenkungen auf 100 Euro für die Strecke Frankfurt-Berlin auf das Germania-Angebot von anfangs 99 Euro reagiert. Muscatis Vorwurf: "Preis-Dumping". Im Gegensatz zu den Germania-Flügen ohne Bordservice und mit Ein-Klassen-Bestuhlung fliegt die Lufthansa Frankfurt-Berlin mit dem vollen Lufthansa-Service.

Lufthansa: Talsohle bei Passagierzahlen erreicht

Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber sieht bei einem anderen belastenden Thema schon wieder Licht am Horizont: Beim Rückgang der Passagierzahlen nach den Anschlägen in den USA: "Es ist aus unserer Sicht der Boden erreicht", sagte Weber anlässlich des Richtfestes des zweiten Terminals des Münchener Flughafens.

"Wir sehen eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, aber noch keinen Aufschwung", fügte Weber hinzu. Das niedrige Niveau in Zahlen: "Uns fehlen nach wie vor täglich 30.000 Fluggäste - und in unserer Kasse 100 Millionen Mark pro Woche", sagte Weber.

Wann der erhoffte Aufschwung komme, könne er aber nicht sagen, vor allem der US-Markt bleibe schwierig. Im Oktober war die Zahl der Lufthansa-Passagiere gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als 13 Prozent gesunken. Rund zehn bis zwölf Milliarden US-Dollar Verlust erwarte die internationale Luftfahrtorganisation IATA in diesem Jahr für ihre Mitgliedsunternehmen. Über 120.000 Menschen hätten weltweit bereits ihre Arbeit verloren.

Zur aktuellen Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften über ein Sparpaket bei der Lufthansa wollte sich Weber nicht äußern.

Sorgenkind Thomas Cook bessert sich

Bekannt wurden heute allerdings Zahlen des zweitgrößten europäischen Reiseveranstalters Thomas Cook, an dem die Lufthansa zu 50 Prozent beteiligt ist. Der zweite 50-Prozent-Eigner ist KarstadtQuelle. Thomas Cook hat sein radikales Sparpaket von mehr als einer halben Milliarde Euro bereits einen Monat nach der überraschenden Ankündigung weitgehend umgesetzt. "Zwei Drittel der Maßnahmen sind abgeschlossen. Die Ergebnisauswirkungen machen sich teilweise schon bemerkbar und werden im größeren Rahmen ab Anfang Januar spürbar", sagte Thomas-Cook-Vorstandsvorsitzender Stefan Pichler der "Financial Times Deutschland".

Dazu trage der Einschnitt beim Kabinenpersonal der eigenen Charterfluggesellschaft Condor einen bedeutenden Anteil bei, sagte Pichler. Eine weitreichende Vereinbarung hat der Reiseveranstalter in der vergangenen Woche mit der Gewerkschaft Verdi geschlossen.