Deutsche Bank Die offene Dreiklassengesellschaft

Service oder Verzweiflung? Die B- und C-Kunden müssen sich nicht an die neue Struktur halten.
Von Arne Stuhr

Hamburg/Frankfurt - Während Rolf-E. Breuer als neuer Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken gehandelt wird und sein designierter Nachfolger Josef Ackermann schon das Revier markiert, dürfen die Kunden mal wieder grübeln, was denn nun aus "ihrer" Deutschen Bank  wird.

Hatte Herbert Walter, Vorstandsvorsitzender der Privatkunden-Tochter Deutsche Bank 24, noch unlängst angekündigt, von einer auf Produkte ausgerichteten Bank zum "Problemlöser" in Sachen Finanzfragen zu werden, rudert Konzernvorstand Hermann-Josef Lamberti schon wieder zurück.

Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte der bisher vor allem für den Bereich Informationstechnologie zuständige Lamberti, dass mit der Umstrukturierung des Geschäftsbereiches "Privatkunden und Vermögensverwaltung" (Private Clients and Asset Management, PCAM) eine "Industrialisierung" des Privatkundengeschäftes erreicht werden solle.

So sollen zum Beispiel einheitliche Prozesse für Geldanlage, Kreditvergabe und Produktmanagement eingeführt werden. Auch die Verwaltung von Kundenbeziehungen soll standardisiert werden.

Um das Ergebnis der Sparte PCAM jährlich um 25 Prozent zu steigern, soll auf das Wissen der hauseigenen Investmentbanker zurückgegriffen werden. Zusätzlich sollen verstärkt konzernfremde Produkte über die Kanäle der Deutschen Bank angeboten werden. Umgekehrt sollen in Zukunft die Angebote der Frankfurter mit Hilfe der mobilen Truppen der Deutschen Vermögensberatungs AG an den Mann gebracht werden.

Dabei, so Lamberti laut "Handelsblatt", startet die Deutsche Bank einen erneuten Versuch, ihre Kunden weiter zu katalogisieren. Obwohl viele vor wenigen Jahren "degradierte" Deutsche-Bank-Kunden beim Bezahlen mit der EC-Karte immer noch verschämt die "24" mit dem Daumen verdecken, sollen jetzt auch die wohlhabenden Kunden in reich und nicht ganz so reich unterteilt werden.

Allerdings scheint auch Lamberti der Bereitschaft seiner Kunden zur Dreiklassengesellschaft nicht wirklich zu trauen und fürchtet wahrscheinlich eine neue "200.000-Mark-Diskussion". Die Kunden der Deutschen Bank 24 könnten sich daher jederzeit für eine intensivere Betreuung durch die Abteilung Private Banking entscheiden.

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