DaimlerChrysler Letzte Frist

Warum Aufseher Kopper vorzeitig die Verträge des Führungsduos verlängern ließ.

Die Herren Aufsichtsräte wurden erst im Flugzeug informiert, hoch über dem Atlantik. Der Ort des Geschehens war ebenso ungewöhnlich wie der Anlass.

Die Mitglieder des Kontrollgremiums von DaimlerChrysler  sollten am folgenden Tag in der Chrysler-Zentrale in Auburn Hills zwei delikate Personalien beschließen: die vorzeitige Verlängerung der Verträge von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, 57, und von Mercedes-Primus Jürgen Hubbert, 62.

Es kam wie geplant: Das Führungsduo wurde zwei Jahre vor Ende der regulären Vertragslaufzeit im Amt bestätigt; beide bleiben bis zur Daimler-Hauptversammlung im Frühjahr 2005.

Ein nicht ganz unproblematischer Akt, den die Kontrolleure da vollführten. Nach den Paragrafen des deutschen Aktiengesetzes darf ein Aufsichtsrat frühestens zwölf Monate vor Ablauf eines laufenden Vorstandsvertrags über dessen Verlängerung entscheiden. Deshalb blieb den Räten nichts anderes übrig, als Schrempp und Hubbert zunächst formell zu kündigen, um beide dann sofort wieder einzustellen.

Welche Gründe rechtfertigten das Theater? Warum konnte das DaimlerChrysler-Gremium mit der Entscheidung nicht noch ein Jahr warten?

Der Wunsch einer frühzeitigen Verlängerung stammte von Oberaufseher Hilmar Kopper, 66, höchstselbst. Kopper wollte seinen Freund Schrempp aus der Schusslinie nehmen. Der CEO hatte sich in den vergangenen Monaten selten in der Öffentlichkeit gezeigt; dies in einer Zeit, in der sich mit der Lastwagentochter Freightliner ein weiteres Milliardenloch im Konzern auftat - nach dem Debakel bei Chrysler. Durch sein Untertauchen nährte Schrempp selbst Spekulationen über eine mögliche Ablösung.

Frank Scholtys

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