Aldi Theo redet noch immer mit

Ganz anders die Situation im Norden. Offiziell hat sich auch Theo schon länger aus dem operativen Geschäft verabschiedet und die Verantwortung seinen Söhnen Berthold und Theo junior übertragen.

Doch nach wie vor wird der Senior regelmäßig in die Essener Zentrale gefahren. Für den Weg zur Arbeit benutzt der Händler, der nach einer Entführung im Jahre 1971 noch öffentlichkeitsscheuer geworden ist als zuvor, unterschiedliche Mercedes-Limousinen; ständig wechselt er die Fahrtrouten.

Bei vielen Entscheidungen redet Theo nach wie vor ein gewichtiges Wort mit. Selbst wenn es nur um die Gestaltung eines Flaschenetiketts geht, mischt er sich ein.

Wie wenig der Senior von seinen Managern hält, dokumentierte er vor einigen Jahren mit frappierender Offenheit. Damals protestierten die Nord-Einkäufer, weil ihre Kollegen im Süden besser bezahlt wurden. "Das ist ja auch richtig so", konterte Theo, "die sind besser." Eine Äußerung, die erahnen lässt: Theo vertraut im Grunde nur sich selbst.

Notwendig ist die Omnipräsenz keineswegs. Die Führungsebenen im Norden um Verwaltungsratsmitglied Hartmuth Wiesemann sind durchweg mit erfahrenen Managern besetzt. Entsprechendes gilt für die Führungsmannschaft der Auslandstöchter.

Auch hier gibt es die zwei Aldi-Welten. Aldi Süd betreibt Märkte in Österreich (mit der Kette "Hofer") sowie den englischsprachigen Ländern. Aldi Nord hingegen darf sich im westlichen und nördlichen Kontinentaleuropa ausbreiten.

Es liegt gewiss nicht nur an der geografischen Nähe zu Deutschland, dass sich die Nord-Manager in den Niederlanden oder Dänemark weniger frei bewegen als die Auslandschefs von Aldi Süd in England, den USA oder Australien. In den Niederlanden oder Dänemark hat Aldi Nord mittlerweile eklatante Probleme, Mitarbeiter zu gewinnen.

Managementprobleme, Dissonanzen zwischen den Schwesterfirmen, fortschreitendes Auseinanderleben - wie wird es weitergehen mit Aldi? Was kommt nach Theo und Karl?

Petra Schlitt

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