Aldi Karl machte sich überflüssig

Kein Wunder, dass die Manager bei Aldi Süd zunehmend auf Distanz zu ihren Kollegen im Norden gehen.

So stößt die Neigung von Aldi-Nord, Aktionsprodukte ohne Not zu Kampfpreisen anzubieten, im Süden auf Unverständnis. Damit die Kunden in den Grenzregionen keine Vergleichsmöglichkeiten haben, bemühen sich Karls Einkäufer bei den Produzenten immer häufiger um Exklusivverträge, die eine Belieferung des Nordens ausschließen. Die Tonlage zwischen beiden Häusern ist verstimmt. Besonders deutlich wurde der Nord-Süd-Konflikt, als Aldi Nord sich auf einen Preiskrieg mit der Verbrauchermarktkette Wal-Mart einließ, entgegen den Abmachungen unter den Lagern.

Anstatt gelassen auf die kampferprobte Stärke des Discountsystems zu vertrauen, zeigten die Manager im Norden Nerven und verpulverten hunderte von Millionen Mark mit Preissenkungen. Notgedrungen musste der Süden nachziehen. Seit dieser Zeit reden die Brüder Karl und Theo angeblich nicht mehr miteinander.

Kommunikation auf höchster Ebene wäre durchaus hilfreich. Karl könnte seinem Bruder Theo beispielsweise verraten, dass er seinem Topmanagement deutlich mehr Freiheiten gewährt. Unternehmerische Persönlichkeiten können sich auf diese Weise besser entwickeln als im Norden.

In dieses Bild passt, dass Karl Albrecht seine Nachfolge bereits geregelt hat und Nachwuchstalente immer stark förderte. In der Branche war es deshalb keine Überraschung, als er 1994 in einem ersten Schritt dem familienfremden Manager Ulrich Wolters, 60, die operative Leitung des Discounters anvertraute und nun alle Macht in dessen Hände legt.

Schon vor Jahren hatte der Mitgründer seine eigene Ablösung eingeleitet. Seit kurzem steht die neue Führungsstruktur.

Sie zeigt: Aldi Süd läuft auch ohne den Senior - und das bestens.

Statt wie zuvor - und wie der Norden noch heute - mit einer dreistufigen Managementstruktur arbeitet der Süden nun mit fünf Ebenen. Was auf den ersten Blick schwerfälliger aussieht, bringt in der Praxis viele Vorteile mit sich. Mehr Nachwuchsmanager werden an Führungsaufgaben herangeführt, die Hierarchie ist durchlässiger, die Karrierechancen sind besser.

Der obersten Führungsriege, dem so genannten Koordinierungsrat, gehören neben Wolters als Primus inter Pares Jürgen Kroll und Norbert Podschlapp an.

Zu Mitgliedern des darunter angesiedelten Verwaltungsrats wurden jüngst Robert Ochsenschläger und Peter Ernst ernannt. Mächtigster Mann auf der nachfolgenden Ebene ist Einkaufschef Martin Thesing. Ihm untersteht seit kurzem eine Garde junger Nachwuchskräfte, offiziell als stellvertretende Geschäftsleitung bezeichnet: Hermann-Josef Schramm, Jeanette Nieves und Thomas Hüsken.

Petra Schlitt

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