Helaba Unbeliebter Chefsessel zu vergeben

Ein Posten mit 300.000 Mark Jahresgehalt ist in Thüringen zu vergeben. Aber keiner will ihn.

Frankfurt - Banken-Vorstand gesucht: Für den Posten bei der staatlichen Thüringer Aufbaubank (TAB) kann sich seit Monaten niemand begeistern. So hat die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ein Führungsproblem bei der TAB, die sie Anfang 2002 zur Hälfte übernehmen will.

"Mit Blick auf eine auf Dauer angelegte, vertrauensvolle Zusammenarbeit wären wir Ihnen dankbar, wenn sich die Besetzungsfrage kurzfristig klären ließe", zitiert die "Frankfurter Rundschau" aus einem Schreiben des Vorstands der Helaba an den Verwaltungsratsvorsitzenden der Thüringer Aufbaubank, Wirtschaftsminister Franz Schuster (CDU).

Der Brief ging Mitte Oktober raus, aber geändert hat sich bisher nichts. Auf der heutigen Verwaltungsratssitzung sollen nun die bisherigen, offenkundig zerstrittenen Vorstände Udo Vorstius und Max von Heckel von ihren Posten entbunden werden. Ersetzt werden sie von Lutz Brüggmann, dem Kandidaten der Helaba. Die Landesregierung in Erfurt, für die Besetzung des zweiten Vorstandspostens zuständig, kann keinen Kandidaten präsentieren.

Sonderprüfung, Aktenwirrwarr, "katastrophales Ergebnis"

Denn aus verschiedenen Gründen gleicht der freie Platz im TAB-Vorstand einem Schleudersitz, mit dem verdiente Banker anscheinend nicht ihre Karriere aufs Spiel setzen mögen.

Aufgabe der TAB ist es in erster Linie, als ausführendes Organ des Wirtschaftsministeriums Investitionen zu fördern. Mit einer Bilanzsumme von 3,4 Milliarden Mark und etwa 300 Beschäftigten gelang das aber nicht ohne Negativ-Schlagzeilen: Ein nicht-funktionierendes EDV-System im Wert von mehreren Millionen Mark auf der einen und Aktenwirrwarr auf der anderen Seite, dazu öffentlich angeprangerte Missstände in der Kreditabteilung. Eine Sonderprüfung für das Jahr 1999 brachte laut "Frankfurter Rundschau" ein "katastrophales Ergebnis".

TAB-Vorstände für drei Jahre nicht entlastet

Die Vorstände der TAB sind für die Geschäftsjahre 1996, 1998 und 2000 bisher nicht entlastet. Doch die auffallend vielen Kratzer auf dem Image der TAB sind nicht der einzige Ablehnungsgrund für potenzielle Vorstandskandidaten. Hinzu kommt ein politischer: Wenn die CDU ohne Bernhard Vogel 2004 die Wahl in Thüringen verlieren sollte, hätte eine andere Landesregierung über den Vorstand der TAB zu entscheiden. Und der bräuchte mit Sicherheit ein anderes Parteibuch, als es aktuell gefordert ist.

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