Sabena Morgens Konkurs, abends verkauft

Belgiens Premier Verhofstadt berichtet von 15 Investoren, die 200 Millionen Euro für einen Nachfolge-Konzern ausgeben wollen. 6000 Mitarbeiter werden vermutlich nicht weiter beschäftigt. Dafür beschäftigt sich der Staatsanwalt mit dem Management.

Brüssel - Das Aus der belgischen Fluggesellschaft Sabena ist besiegelt. Ein Handelsgericht in Brüssel bestätigte am Mittwoch den von der Airline zuvor angemeldeten Konkurs und setzte acht Verwalter für die Liquidierung des Unternehmens ein.

Nach dem Zusammenbruch der belgischen Fluggesellschaft Sabena haben sich 15 Investoren gefunden, die insgesamt etwa 200 Millionen Euro (391 Millionen Mark) für eine Nachfolgegesellschaft aufbringen wollen. Das berichtet indes der belgische Premierminister Guy Verhofstadt.

Drei Viertel des Kapitals kommen demnach von einem Dutzend Unternehmen und Banken, Namen wurden zunächst nicht genannt. Das restliche Viertel wird von drei belgischen regionalen Investitionsgesellschaften aufgebracht.

Streiks, Resignation, Ermittlungen

Die Flugzeug-Flotte der Sabena bleibt jedoch bis auf weiteres am Boden, nachdem der Konzern am Morgen Konkurs angemeldet hatte. Der Verwaltungsratsvorsitzende Fred Chaffart stellte nach einer Reihe von Krisensitzungen resigniert fest, der Gesellschaft bleibe keine andere Wahl. Der Flugbetrieb wurde eingestellt. Die 12.000 Beschäftigten forderte Chaffart auf, ab sofort zu Hause zu bleiben.

Hunderte Mitarbeiter der angeschlagenen Airline waren am Vortag auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem in einen spontanen Streik getreten. Einige von ihnen hatten Internas über Mitglieder des Managements weitergegeben - jetzt ermittelt die Brüsseler Staatsanwaltschaft. Die Beamten stellten Akten sicher. Chaffart sagte, sie hätten sich offenbar besonders für Unterlagen zum Kauf mehrerer Airbusse interessiert.

Jetzt wird an einem Sozialplan geschmiedet

Der Konkurs würde die Entlassung der meisten der 12.000 Sabena-Beschäftigten bedeuten. Am Flughafen Zaventem spielten sich zum Teil chaotische Szenen ab. Die Flughafenbehörde BIAC rief Reisende mit einem Sabena-Ticket dazu auf, zu Hause zu bleiben. "Es ist unsinnig, jetzt mit einem Sabena-Ticket fliegen zu wollen", sagte BIAC-Sprecher Jan Van der Cruysse.

Bereits am Montag hatte die belgische Regierung ein zusätzliches Polizeiaufgebot in Zaventem stationiert, um Ausschreitungen der Beschäftigten vorzubeugen.

Am Dienstag trafen Vertreter der Gewerkschaften mit einer Regierungsdelegation zusammen, um über einen Sozialplan für die Beschäftigten zu verhandeln. Der für Privatisierungen zuständige Minister Rik Daems betonte, die Bewältigung der sozialen Aspekte des drohenden Konkurses sei das Hauptanliegen der Regierung.

Den Anfang vom Ende markierte die Swissair

Wegen der Sitzung musste der belgische Finanzminister Didier Reynders ein Treffen der EU-Finanzminister vorzeitig verlassen.

Sabena wurde 1923 gegründet. Derzeit besitzt der belgische Staat 50,5 Prozent der Anteile. Der Rest gehört der Schweizer SAir Group, die nach den Turbulenzen um die Swissair ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte, was für die ohnehin angeschlagene Sabena der Todesstoß war. Die 1923 gegründete Sabena galt als ein Aushängeschild Belgiens. Mit Beginn der Liberalisierung der Branche in den 80er Jahren setzte auch der Niedergang von Sabena ein.


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