BW-Bank/LBBW Frankfurt und München ausgestochen

Die Bank von BdB-Präsident Heintzeler gehört jetzt mehrheitlich der Landesbank.

Stuttgart - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW, 239 Milliarden Euro Bilanzsumme) hat die Mehrheit an der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank, 24,4 Milliarden Euro) übernommen. Mit Wirkung zum 1. Januar 2002 kaufte sie den Anteil der Rhein-Neckar Bankbeteiligung in Höhe von 25,5 Prozent und hält damit jetzt 50,6 Prozent an der BW-Bank, teilte die LBBW am Dienstag mit. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Obwohl die BW-Bank damit jetzt zu rund 85 Prozent in öffentlicher Hand ist, soll sie auch künftig als eigenständige Privatbank am Markt agieren. Allerdings sollen Synergien im Abwicklungsbereich künftig die Kosten senken.

Mit der Mehrheitsübernahme bei der BW-Bank findet im Südwesten Deutschlands eine enge Verzahnung von öffentlich-rechtlicher Landesbank und privatwirtschaftlichem Geldhaus statt. Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) zeigte sich über den Kauf erleichtert. Die Landesregierung und Ministerpräsident Erwin Teufel wollten die Mehrheit an der BW-Bank auf keinen Fall außerhalb Baden-Württembergs sehen. "Es ist wichtig, dass nicht in Frankfurt oder München bestimmt wird, was mit der BW-Bank geschieht", sagte Stratthaus. Angeblich sollen nämlich auch die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank Interesse an der BW-Bank gezeigt haben.

Pikantes Detail am Rande: BW-Bank-Chef Frank Heintzeler ist zurzeit Präsident des Bundesverband deutscher Banken (BdB). Der BdB ist die privatwirtschaftliche Organisation, die mit ihrer Klage bei der EU-Kommission gegen Gewährträgerhaftung und Anstaltslast den Umbau der öffentlich-rechtlichen Banken maßgeblich provozierte. Nun wird seine Bank in den Aktionskreis der LBBW integriert, deren Vorstandsvorsitzender, Hans Dietmar Sauer, gleichzeitig auch Chef des Bundesverbandes Öffentlicher Banken ist. Heintzeler zeigte sich laut der Nachrichtenagentur dpa mit dem Deal am Dienstag sehr zufrieden ("Stabile Basis für die Zukunft") und Sauer betonte sein geradezu herzliches Verhältnis zum BW-Chef.

Ein Rücktritt Heintzelers vom BdB-Posten wird in Stuttgarter Bankenkreisen für eher unwahrscheinlich gehalten, da die öffentliche Hand auch schon bei seinem Amtsantritt maßgeblich an der BW-Bank beteiligt war. "Dr. Heintzeler sieht keinen Grund zu einem Statement in dieser Frage", sagte BW-Bank-Pressesprecher Manfred Rube gegenüber mm.de. Auch der BdB wies jegliche Spekulationen zurück. "Die BW-Bank bleibt eine AG und wechselt damit nicht in das öffentlich-rechtliche Lager", so der für Kommunikation zuständige BdB-Geschäftsführer Heiner Herkenhoff gegenüber mm.de am Dienstagabend.

"Durch und durch Privatbanker"

Im April dieses Jahres, als die LBBW bereits 25,1 Prozent der BW-Bank-Anteile von der Wüstenrot & Württembergischen AG mit Wirkung zum 1. Januar 2002 übernommen hatte, waren die Aussagen klarer. Der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Heintzeler sei "durch und durch Privatbanker", zitierte die "Stuttgarter Zeitung" Branchenkenner. Alles, was den Stallgeruch der Sparkassen hat, versuche Heintzeler auf Distanz zu halten. Ein Rücktritt als BdB-Präsident bei einer eventuellen Mehrheitsbeteiligung der LBBW galt als sicher.

Bei der LBBW gab man sich am Dienstag selbstbewusst und gelassen. "Die Verbandsfunktionäre sollen aus den Schützengräben kommen", zitierte LBBW-Sprecher Stefan Schütz gegenüber mm.de LBBW-Chef Sauer. Nach Meinung der Stuttgarter gehöre der Kampf zwischen den privaten und öffentlich-rechtlichen Banken der Vergangenheit an.

Landesbank hatte die besten Karten

Hinter der Rhein-Neckar-Bankbeteiligung stehen die Deutsche Bank (12,5 Prozent), Bosch (7,3 Prozent), Karlsruher Leben (3,1 Prozent) und Wüstenrot (2,6 Prozent). Laut der "Süddeutschen Zeitung" hat Bosch innerhalb der Rhein-Neckar-Holding die führende Rolle und vertrete auch die anderen Aktionäre. Tilmann Todenhöfer, stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, hatte im Mai öffentlich erklärt, dass ein Verkauf des gesamten Paketes nicht ausgeschlossen sei. Ein Verkauf an andere Interessenten kam für Bosch offenbar in Frage. Insidern war laut "Süddeutscher" indessen klar, dass die Landesbank zum Zug kommen werde. Ein Erhöhung des Landesanteiles an der BW-Bank sei dagegen nie im Gespräch gewesen.

Unter den privaten Geschäftsbanken Deutschlands nimmt die BW-Bank nach der Größe Platz elf ein. Das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge lag 2000 bei 85 Millionen Euro. Beschäftigt werden 2625 Mitarbeiter. Die LBBW gehört zu den zehn größten Banken Deutschlands. Sie erwirtschaftete ein Betriebsergebnis von 869 Millionen Euro und beschäftigt 9.959 Mitarbeiter.

Arne Stuhr mit Agenturen

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