Stellenabbau Über vier Millionen Arbeitslose

Die DIHK übertrifft mit ihren finsteren Zukunftsprognosen alles bisher Gesagte.

Berlin - Wegen der Konjunkturflaute wollen fast ein Drittel der deutschen Unternehmen (29 Prozent) kommendes Jahr Stellen abbauen. Die Zahl der Arbeitslosen wird 2002 wahrscheinlich wieder die Vier-Millionen-Grenze überschreiten, wie die in dieser Woche in Berlin veröffentlichte Herbstumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergab. Demnach schätzt die Wirtschaft die Entwicklung der Konjunktur und am Arbeitsmarkt noch pessimistischer ein als Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstitute.

Stillstand

Die Stimmung in der Wirtschaft verwandelte sich seit Herbst 2000 von einem Hoch in ein Tief. Der DIHK gab dem Abwärtstrend der weltweiten Konjunkturlage, aber auch der rot-grünen Politik die Schuld. Für 2001 erwartet der DIHK nahezu Wirtschaftsstillstand. Nach Aussage von DIHK-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser wird das Konjunkturplus zwischen einer "schwarzen Null" und 0,5 Prozent liegen. Die Erholung im kommenden Jahr halte sich auch bei gutem Verlauf in engen Grenzen. Das Wirtschaftswachstum werde ein Prozent betragen, vielleicht etwas darüber.

Die Bundesregierung geht von etwa 0,75 Prozent Wachstum in diesem Jahr aus und von rund 1,25 Prozent für 2002 aus. Die Wirtschaftsforschungsinstitute liegen mit ihrer Prognose dicht bei der rot-grünen Schätzung. Noch im Frühjahr hatte der DIHK für 2001 rund 2,8 Prozent Wachstum vorhergesagt.

Weiterer Personalabbau im Osten

Die Arbeitslosenzahl werde 2002 um 200.000 bis 250.000 steigen, sagte Schoser. Im Vergleich zu anderen konjunkturellen Schwächephasen seit Mitte der 90er Jahre falle die jetzige Zurückhaltung bei den Beschäftigungsplanungen besonders drastisch aus. "Im Osten Deutschlands stehen die Zeichen nach wie vor auf Personalabbau."

Etliche Unternehmen wollen den Angaben zufolge Investitionen zurückstellen. Nach den Terroranschlägen trübte sich die Stimmung noch etwas ein. Planten im September noch 25 Prozent der mehr als 25.000 befragten Unternehmen Stellen abzubauen, wurde im Oktober mit 29 Prozent der schlechteste Wert seit 1996 erreicht.

Zudem sank die Zahl der Firmen, die neue Arbeitsplätze einrichten wollen, binnen eines Jahres von 18 auf zehn Prozent. Paradox sei, dass es weiterhin Fachkräftemängel gebe, hieß es.

Niedrigster Wert seit 1997

Mit 20 Prozent erreichte der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage mit "gut" beurteilen, den niedrigsten Wert seit 1997, wie die Umfrage ergab. 28 Prozent bewerten die Situation als `schlecht" - der negativste Wert seit 1996. Besonders ausgeprägt sei der Rückschlag in der Industrie. Die Konjunkturschwäche erreiche aber auch das Dienstleistungsgewerbe.

Schoser unterstrich, dass die Terroranschläge in den USA ein Dämpfer gewesen seien, die Stimmung aber schon davor eingebrochen sei. Die zwar nachlassenden, aber noch vorhandenen positiven Impulse vom Export könnten die schlechte Binnenwirtschaft nicht abfangen.