Merrill Lynch Hiobsbotschaft für alle Mitarbeiter

Die Gerüchte bestätigen sich, jetzt wird restrukturiert. Am Montag erhalten alle Angestellten des Finanzkonzerns ein freiwilliges Abfindungsangebot. Bis November müssen sie sich entscheiden.

New York - Das US-Investmenthaus Merrill Lynch & Co Inc  will seinen weltweit 65.900 Beschäftigten freiwillige Abfindungsangebote unterbreiten. Ein Unternehmenssprecher teilte am Freitag in New York mit, die Beschäftigten würden am Montag detaillierte Angaben zu den Abfindungspaketen erhalten und hätten dann bis November Zeit, sich zu entscheiden.

Ziel der Maßnahme ist es nach Angaben des Sprechers, die Kosten zu senken und über geringere Personalkosten die Gewinnsituation zu verbessern. Der Finanzdienstleister und Broker hat in diesem Jahr bereits 6100 Stellen abgebaut.

Die Abfindungshöhe bemisst sich nach den Angaben nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Danach sind Abfindungen von über einem Jahresgehalt sowie eines Großteils des Bonusses 2000 möglich. Eine Zielzahl zum Arbeitsplatzabbau sei mit den Abfindungsangeboten nicht verbunden, hieß es weiter. Merrill Lynch hatte am Donnerstag einen Gewinnrückgang um 52 Prozent auf noch 422 Millionen Dollar im dritten Quartal ausgewiesen.

Unlängst hatte bereits das "Wall Street Journal" berichtet, Merrill Lynch plane eine der größten Umstrukturierungen in seiner 86-jährigen Geschichte und wolle weltweit bis zu 10.000 Stellen streichen. Das schrieb die Zeitung unter Berufung auf leitende Mitarbeiter des Konzerns. Die Umstrukturierungen würden das Ergebnis einmalig um eine Milliarde Dollar belasten.

Wie die Zeitung weiter berichtete, soll unter der Ägide des neuen Merrill-Lynch-Präsidenten E. Stanley O'Neal unter anderem geprüft werden, ob das Geschäft in Japan, Kanada, Australien und Indien entweder völlig eingestellt oder drastisch eingeschränkt werden muss. Auch das Geschäft im Heimatland USA, darunter die Vermögensverwaltung, stehe auf dem Prüfstand.

Ein wesentlicher Grund für die aktuellen Pläne: Die Ergebnissituation der renommierten US-Investmentbank hat sich deutlich verschlechtert. Im dritten Quartal lag der Nettogewinn bei 422 Millionen US-Dollar oder 44 Cent je Aktie (EPS), gegenüber dem Vorjahreszeitraum (885 Millionen Dollar oder 94 Cent pro Aktie) ein Rückgang um rund 50 Prozent. Der Nettoumsatz sank um 16 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Das dritte Quartal sei das schlimmste seit 1998 gewesen, hieß es seitens der Bank.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.