Sabena Aufgefangen

Die EU-Kommission genehmigt Millionenhilfe. Die Fluggesellschaft ist vorerst gerettet.

Brüssel - Die EU-Kommission hat einen dreistelligen Millionenkredit der belgischen Regierung für die vor dem Konkurs stehende Fluggesellschaft Sabena genehmigt. Die für einen Monat gewährte staatliche Unterstützung von 125 Millionen Euro (245 Millionen Mark) "liegt im Rahmen der strengen Regeln für die Zahlung von Beihilfen zur Rettung eines Unternehmens", sagte die für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Loyola de Palacio am Mittwoch in Brüssel. Der zu marktüblichen Konditionen vergebene Kredit müsse zudem zurückgezahlt werden.

Von der Swissair hängen gelassen

Sabena war nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September in weitere Turbulenzen geraten. Bereits zuvor hatte die Airline für das erste Halbjahr 2001 einen Verlust von 139 Millionen Euro angegeben. Zur Rettung der Fluggesellschaft wollte das Mutterunternehmen Swissair, das 49,5 Prozent der Sabena-Anteile hält, 136 Millionen Euro bereitstellen.

Seit den Anschlägen kämpft die Schweizer Fluggesellschaft aber selbst gegen den Konkurs an und hat die Finanzspritze zurückgezogen. Die belgische Regierung, die die restlichen 50,5 Prozent an Sabena hält, kündigte daraufhin die Zusammenarbeit auf und den Millionenkredit an.

Arbeitsplätze um ein Drittel reduzieren

Dieser Kredit wurde von der EU-Kommission einstimmig gebilligt. De Palacio sagte, die Hilfe sei bereits dadurch gerechtfertigt, dass bei Sabena 12.000 Arbeitsplätze gefährdet seien. Wie andere europäische Fluggesellschaften könne sich Sabena aber nicht darauf verlassen, dass das Unternehmen mit staatlicher Hilfe gerettet werde. Jede über den jetzt genehmigten Kredit hinausgehende Unterstützung müsse erneut geprüft werden.

Mehrere europäische Wettbewerber hatten gegen die Beihilfe bei der Kommission Protest eingelegt. De Palacio betonte, dass der Wettbewerb mit dem Hilfskredit keinen Schaden nehmen werde. Das Management von Sabena arbeitet derzeit an einem neuen Sanierungsplan, der voraussichtlich einen massiven Stellenabbau beinhalten wird.

Die Zahl der Beschäftigten könnte von derzeit 12.000 auf 4000 reduziert werden. Nach den Terroranschlägen hat die Airline damit begonnen, transatlantische und innereuropäische Verbindungen zu streichen.

Aer Lingus - kein Recht auf Subventionen

De Palacio sagte ferner, im Gegensatz zu Sabena sei die ebenfalls in arge Bedrängnis geratene irische Fluggesellschaft Aer Lingus noch nicht berechtigt, einen staatlichen Notkredit zu erhalten. Als Grund nannte sie, dass Aer Lingus noch keinen gerichtlichen Gläubigerschutz beantragt habe. Sabena hatte dies getan und von einem Brüsseler Gericht eine zweimonatige Frist gewährt bekommen.