Commerzbank "Erstmals betriebsbedingte Kündigungen"

Vorstandschef Klaus-Peter Müller plant in seinem Sanierungsprogramm vor allem die Streichung von Stellen in Deutschland.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank (Kurswerte anzeigen) wird nach den Worten von Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller bei dem geplanten Abbau von rund 3400 Stellen betriebsbedingte Kündigungen nicht vermeiden können. Die meisten Arbeitsplätze würden in Deutschland abgebaut, sagte Müller am Dienstag in Frankfurt weiter.

Außerdem werde die Bank 54 Filialen mehr schließen als bislang geplant. Bis 2003 will das Institut insgesamt 800 Millionen Euro einsparen. Unrentable Aktivitäten außerhalb Europas sollen eingestellt oder verkauft werden. Müller sagte, sein Haus werde wohl im vierten Quartal keinen Verlust schreiben. 2001 seien ein Gewinn und eine Dividende zu erwarten.

120 Millionen Euro Verlust

Am Montag hatte die Bank einen Verlust für Juli und August von insgesamt 120 Millionen Euro bekannt gegeben. Analysten nannten das neue Programm zur Kostensenkung notwendig. Die Aktien der Bank lagen am Dienstag im Plus.

"Erstmals in der Geschichte der Bank werden wir um betriebsbedingte Kündigungen nicht herumkommen", sagte Müller. Die Commerzbank hatte am Vortag mitgeteilt, rund 8,5 Prozent ihrer etwa 40.000 Stellen abbauen zu wollen. Müller zufolge sollen allein im Filialgeschäft rund 1100 Arbeitsplätze eingespart werden. Zusätzlich zu den bereits geplanten Schließungen von 150 Filialen werde die Commerzbank weitere 54 Standorte schließen.

Im Investmentbanking will die Commerzbank nach den Worten Müllers zunächst 190 Stellen abbauen. In der Vermögensverwaltung soll Müller zufolge der Personalbestand um 400 bis 500 Mitarbeiter verringert werden, und in der Konzernsteuerung sollen fast 700 Arbeitsplätze wegfallen.

Ziel erreichen oder schließen

Im Zuge der geplanten Kosteneinsparungen kündigte Müller weiter an, dass allen Aktivitäten außerhalb Europas, die die Ertragsvorgaben von 12 bis 15 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern verfehlten, die Schließung oder der Verkauf drohe.

Im Hinblick auf die Direktbanktochter Comdirect sagte Müller, er gehe davon aus, dass sich das Unternehmen von einigen der Auslandstöchter der Direktbank trennen werde. Es werde über mögliche Käufer oder Partner gesprochen.

Müller contra Kohlhaussen

Auch das vor allem von Müllers Amtsvorgänger Martin Kohlhaussen favorisierte System von strategischen Partnerschaften in Form von Überkreuzbeteiligungen stellte Müller indirekt zur Disposition. Die strategischen Partnerschaften seien nicht mehr so wichtig wie früher. Die Bank arbeite gut und freundschaftlich mit den Partnern vor allem in Südeuropa zusammen. "Wir müssen aber nicht auf ewig an den Beteiligungen festhalten", sagte Müller. Einen Verkauf von Industriebeteiligungen schloss er derzeit jedoch aus.

Keine weiteren Fusionsgespräche

Müller sagte außerdem, bevor Aufwandsquote und Rentabilität der Commerzbank nicht wieder auf gutem Niveau seien, werde die Commerzbank von sich aus keine weiteren Fusionsgespräche mit anderen deutschen oder europäischen Banken einleiten. Die Commerzbank gilt unter Analysten nach wie vor als zu klein, um im europäischen Markt alleine agieren zu können. Gespräche mit der italienischen Unicredito, die nach Müllers Worten von der italienischen Bank angestoßen worden waren, waren jedoch Anfang September an Bewertungsfragen gescheitert.

Zuversichtlich äußerte sich Müller über den Fortgang der Gespräche zwischen den drei Frankfurter Großbanken über eine Zusammenlegung ihrer Hypothekenbank-Töchter. "Wir sind zuversichtlich, in den nächsten Wochen zu einem Ergebnis zu kommen", sagte Müller. Die Commerzbank-Tochter Rheinhyp und die Immobilientochter der Deutschen Bank, Eurohypo, sollten auf die Deutsche Hyp der Dresdner Bank verschmolzen werden, da diese über eine Gemischtbanklizenz verfüge.