Siemens Von der Krise mit voller Wucht erwischt

Die Einschnitte bei der defizitären Netzwerk-Sparte ICN fallen drastischer aus als bisher angegeben. 5000 weitere Mitarbeiter müssen ihre Koffer packen.

München - Mit einem weiteren drastischen Stellenabbau will der Siemens-Konzern seine defizitäre Netzwerk-Sparte ICN aus den roten Zahlen bringen. Bis Ende 2002 werden nochmals zusätzlich 5000 Arbeitsplätze gestrichen, teilte die Siemens AG (Berlin/München) am Montag mit.

Damit entfallen in dem Bereich IC Networks (ICN) nun mehr als 10.000 der weltweit etwa 53.000 Stellen. In Deutschland sind 4000 Arbeitsplätze betroffen. Die Zahl der weltweiten Fertigungsstätten soll halbiert werden. Mit diesen Maßnahmen will der Konzern bei ICN Kosten in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro im Jahr einsparen.

ICN bekam die Flaute in der Telekommunikationsbranche in den vergangenen Monaten mit voller Wucht zu spüren. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000/01 (30. September) erzielte der Bereich vor Steuern, Zinsen und Firmenwert-Abschreibungen einen Verlust von 563 Millionen Euro (1,1 Milliarden Mark). Siemens-Chef Heinrich von Pierer stellte klar, dass er mit der Entwicklung von ICN unzufrieden ist. Der für das Netzwerkgeschäft (ICN) zuständige Siemens-Vorstand Roland Koch musste gehen.

Keine Schließungen in Deutschland

Vor einigen Monaten hatte ICN bereits die Streichung von 5500 Stellen sowie weitere Sparmaßnahmen angekündigt. Künftig werde in allen Geschäften die Ertragssteigerung Vorrang haben vor dem Umsatzwachstum, erklärte der neue ICN-Chef Thomas Ganswindt. Er sei überzeugt, dass es gelingen werde, den Bereich wieder "zu einem nachhaltigen Ergebnisträger der Siemens AG zu machen".

Nach Angaben eines Konzern-Sprechers sind die drei deutschen Fertigungsstätten in Bruchsal, Berlin und Greifswald nicht von Schließung bedroht. Allerdings werde es hier und insbesondere auch im Vertrieb Arbeitsplatzabbau geben. Auch die strategisch wichtigen Fabriken in China und Brasilien stünden nicht zur Disposition. Bei den Stellenstreichungen gebe es auch betriebsbedingte Kündigungen. Es werde keine Einsparungen auf Kosten der Zukunftsfähigkeit geben.

2000 Stellen im Mobilfunkbereich fallen weg

Im Mobilfunkbereich ICM sollen bis Ende des laufenden Geschäftsjahres 2000 Stellen gestrichen werden, davon die Hälfte im Inland. Vor zwei Wochen kochten erneut Spekulationen auf, Siemens verhandle mit dem Konkurrenten Motorola über ein Gemeinschaftsunternehmen im Handy-Geschäft. Möglicherweise werde auch für ICN ein Partner gesucht, hieß es. Der Siemens-Sprecher wollte zu den Spekulationen nicht Stellung nehmen.