Telekom Rückschlag

Die Bonner können ihre Preisforderungen nicht durchsetzen. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post entscheidet über günstigere Konditionen zur Durchleitung von Telefongesprächen.

Düsseldorf - Nach einjährigem Streit steht eine wichtige Entscheidung für den deutschen Telekommunikationsmarkt an. Es geht um die Verknüpfung des flächendeckenden Telekom-Netzes mit der vielfach erst wenig vorhandenen Infrastruktur ihrer Wettbewerber. Diese Zusammenschaltung ist unter anderem für Call-by-Call-Gespräche erforderlich.

Wie und zu welchem Preis die anderen Anbieter künftig an die Leitungen des Ex-Monopolisten andocken können, wird die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post an diesem Montag mitteilen. Nach Angaben der "Welt" können Telekommunikationsunternehmen künftig das Netz der marktbeherrschenden Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen) für die Durchleitungen eigener Telefonverbindungen günstiger nutzen als bisher. Die Regulierungsbehörde habe ein neues Regime für die Netzzusammenschaltung beschlossen, das weitgehend den Forderungen der Telekom-Wettbewerber entspreche.

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post muss einen Kompromiss finden zwischen einem neuen Modell, das die Miete an den benutzten Netzelementen misst, und dem alten entfernungsabhängigen Tarifsystem, dessen Beibehaltung einige fordern.

Eine Übergangslösung nach den bisherigen Abrechnungsregeln, aber mit niedrigeren Preisen gilt nur noch bis Ende November. Grundgedanke der auch Interconnection genannten Netz-Zusammenschaltung ist, dass die Deutsche Telekom als marktbeherrschendes Unternehmen ihre Infrastruktur den mit der Liberalisierung der Branche entstandenen neuen Anbietern zur Verfügung stellen muss.

Bislang müssen die Wettbewerber dafür Preise zahlen, die sich nach der Distanz der Telefonpartner richten. Im September vorigen Jahres wollte der Regulierer auf Wunsch der gesamten Branche das neue, international übliche EBC-(Element Based Charging) System einführen.

Als Anreiz für Investitionen sollte es Telekom-Konkurrenten mit viel eigener Infrastruktur begünstigen, die das Netz des früheren Monopolisten nur an wenigen Stellen zur Durchleitung in Anspruch nehmen müssen. Bei bis zu 23 Verbindungspunkten sollte der teuerste, ab 475 Schaltstellen der billigste Tarif gelten. Dieses Modell hätte im Juni dieses Jahres eingeführt werden sollen.

Kurz vorher wurde es aber vom Oberverwaltungsgericht Münster auf Antrag der Telekom einstweilen außer Kraft gesetzt. Die Richter rügten, dass der Regulierer System und Preise gleichzeitig festgelegt und bei der Telekom ein so nicht vorhandenes effizientes Netz zu Grunde gelegt habe.

Die Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht noch aus. Inzwischen legte die Telekom einen Kompromissvorschlag auf der Grundlage des EBC-Modells vor, der aber eine weit höhere Zahl an Verbindungspunkten zum Netz der Konkurrenten, nämlich 936, als Bedingung für den günstigsten Tarif vorsah. Das wäre nach Ansicht der Wettbewerber unnötig viel und würde sie zwingen, das ihrer Meinung nach ineffiziente Netz des Ex-Monopolisten nachzubilden.

Der Verband VATM, in dem die meisten Telekom-Konkurrenten organisiert sind, hofft daher auf eine "vernünftige Entscheidung", die sich an dem Modell des Regulierers vom vergangenen Jahr orientiert. Ginge es hingegen nach den im Verband Breko organisierten City Carriern, würde alles beim Alten belassen und die Interconnection-Miete weiter an den Entfernungen bemessen.

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