Polaroid Ausgeknipst

Die Traditionsfirma ist pleite. Jetzt hat der Konkursrichter beim Foto-Spezialisten das Wort.

Cambridge - Der US-Fotokonzern Polaroid, seit Jahrzehnten Inbegriff der Sofortbild-Fotografie, hat bei einem Konkursgericht Schutz vor seinen Gläubigern gesucht. Polaroid hat 948,4 Millionen Dollar Schulden und leidet unter sehr schwachem Geschäftsverlauf sowie dem Vormarsch der Digitalfotografie. Die Polaroid-Aktie brach am Freitag vom Zwölfmonatshoch von 13,12 Dollar auf nur noch 38 Cents ein, bevor ihr Handel ausgesetzt wurde.

Polaroid beantragte das Verfahren in Wilmington (Delaware) im Rahmen von Kapitel Elf des US-Konkursrechts und will sich unter dem Schutz des Gerichts umstrukturieren, teilte die in Cambridge (Massachusetts) ansässige US-Firma am Freitag mit. Auslandstöchter sind vom Konkursverfahren ausgenommen. Polaroid will jetzt einen teilweisen oder vollständigen Verkauf des Unternehmens vorantreiben. Ein Verkauf wäre im Interesse aller Beteiligten, einschließlich der Mitarbeiter, hieß es.

Umsatz ist deutlich eingebrochen

Der Polaroid-Umsatz war im ersten Halbjahr 2001 auf nur noch 664,3 Millionen Dollar eingebrochen gegenüber 887,9 Millionen Dollar in der Vorjahresvergleichszeit. Es fiel ein Verlust von 200,8 Millionen Dollar an. Die schwache weltweite Konjunktur und die Terroranschläge vom 11. September haben dem Geschäft Analysten zufolge zusätzlich geschadet.

Konzernchef Gary T. DiCamillo bezeichnete den US-Konkursantrag angesichts der Finanzlage als "angebracht und notwendig". Polaroid will auch weitere Kostensenkungsaktionen durchführen. Dies könnte zu Verkäufen von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Sparten, zu Betriebsschließungen und zu zusätzlichen Entlassungen führen. Das Unternehmen besorgte sich im Zuge des Konkursantrages neue Kredite in Höhe von 50 Millionen Dollar.

Konzern mit traditionsreicher Geschichte

Polaroid war mit seinen Fotoapparaten und Filmen lange Zeit einer der angesehensten US-Hersteller von Verbraucherprodukten. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem Potenzial neuartiger Digitaldruck-Technologien "Opal" und "Onyx". Das Unternehmen bietet auch Sonnenbrillen, Software und Identifizierungssysteme an.

Polaroid war 1937 von dem Erfinder Edwin H. Land gegründet worden. Land konzentrierte sich auf die Entwicklung von Linsen, mit deren Hilfe Lichtstrahlen polarisiert werden können. Dies war die Basis für blendfreie Sonnenbrillen sowie optische U-Boot-Suchgeräte, die im Zweiten Weltkrieg Einsatz fanden. 1947 stellte Land dann seine Sofortbild-Fotografie vor, und Polaroid kam ein Jahr später mit der ersten Sofortbild-Kamera auf den Markt.

1988 hatte sich Polaroid mit Erfolg gegen einen Übernahmeversuch der Shamrock Holdings gewehrt, einer Investorengruppe unter Führung des Walt Disney-Neffen Roy A. Disney. Dabei verschuldete sich die Gesellschaft aber enorm und kam nie von dem Schuldenberg herunter.

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