Fluglinien Kein Wettbewerbsnachteil für Europa

Die EU bleibt der Bewilligung von Subventionen gegenüber auch weiterhin aufgeschlossen.

Brüssel - Die durch die Anschläge in den USA unter Druck geratenen europäischen Fluggesellschaften können auf die Bewilligung weiterer Beihilfen durch die Europäische Kommission hoffen. Wenn die von der amerikanischen Regierung bewilligten Milliarden-Hilfen für die US-Fluglinien für einen Preiskampf missbraucht würden, könnten die EU-Gesellschaften mit Unterstützung rechnen, sagte die Verkehrskommissarin der Europäischen Union (EU), Loyola de Palacio, am Freitag in Brüssel.

US-Linien drücken Preise

Die US-Regierung hatte nach den Anschlägen in Amerika Hilfsgelder in Höhe von 15 Milliarden Dollar für die heimischen Linien angekündigt. De Palacio äußerte sich nach einem Treffen mit den Vorständen führender Eu-Fluggesellschaften, darunter auch Lufthansa-Chef Jürgen Weber. Weber sagte, es gebe bereits erste Anzeichen, dass die US-Linien die Preise drücken wollten.

De Palacio kündigte an, sie werde Wettbewerbsnachteile für die europäischen Fluglinien nicht hinnehmen. Wenn der Wettbewerb durch die US-Beihilfen verzerrt werde, werde es auch weitere Hilfen für die europäischen Unternehmen geben. Die EU-Kommission hatte bereits angekündigt, zwar keine umfassenden Beihilfen an bereits vor dem 11. September angeschlagene Fluglinien zu billigen, dafür aber Unterstützung für direkte Verluste in Folge der Anschläge zulassen zu wollen.

"Füllhorn staatlicher Beihilfen

Der Sprecher des Verbands europäischer Fluggesellschaften (AEA) sagte, die Manager hätten de Palacio deutlich gemacht, dass die US-Hilfen in keinem Verhältnis zu dem stehe, was in der EU unternommen werde. Weber sagte bei einer Diskussionsveranstaltung nach dem Treffen in Brüssel, er sehe mit "großer Sorge, wie sich in den USA das Füllhorn staatlicher Beihilfen öffnet".

Sollten die Hilfen für Preissenkungen eingesetzt werden, wofür es erste Anzeichen gebe, könnte dies das Aus für einige der leistungsfähigsten Gesellschaften in der EU bedeuten. Weber forderte ebenso wie de Palacio einen gemeinsamen Verhaltenscodex mit den USA, um einen Missbrauch der Hilfen zu verhindern. Aber auch in Europa dürften Beihilfen nicht zu Verzerrungen des Wettbewerbs führen. Fluglinien, die sich bereits vor den Anschlägen in der Krise befunden hätten, dürften jetzt nicht "die Generalabsolution" erhalten.

Weber: Chancen für neue Marktstrukturen

Die gegenwärtige Krise berge Risiken und Chancen, sagte Weber. Sie berge die Chance, zu neuen Marktstrukturen zu kommen. "Ich erwarte, dass in Europa die drei großen Fluggesellschaften Lufthansa (Kurswerte anzeigen), Air France und British Airways überleben werden", sagte er.

Dabei schließe er nicht aus, dass mehrere große europäische Fluggesellschaften künftig nicht mehr eigenständig überleben könnten. "Die Zukunft wird zeigen, ob Iberia, KLM und Alitalia allein überleben oder einer der großen Airlines zugeschlagen werden", sagte Weber. "Ohne Beihilfen wir es auf eine solche Konsolidierung herauslaufen".

Die niederländische KLM teilte indes am Freitag in Reaktion auf Webers Äußerungen mit, sie habe keine finanziellen Schwierigkeiten, suche aber weiterhin einen Partner. KLM habe im übrigen nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie einen Partner suche, hieß es weiter.

Rote Zahlen bei der Lufthansa nicht ausgeschlossen

Weber bekräftigte am Freitag auch vorherige Aussagen, wonach der Konzern nach den Anschlägen und deren Auswirkungen auf die Branche rote Zahlen in diesem Jahr nicht mehr ausschließen könne. "Alle Lufthanseaten müssen Anstrengungen unternehmen, um einen operativen Verlust zu vermeiden", sagte Weber. Die Lufthansa sei bereits gezwungen worden, 29 Flugzeuge freizustellen.

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