KPMG 4,75 Millionen plus Zinsen

Das Bankhaus Löbbecke verklagt die Wirtschaftsprüfer wegen der Flowtex-Pleite.

Berlin/Mannheim - Die Bank habe sich bei der Gewährung eines Kredits auf die Bestätigung von KPMG verlassen, dass die von Flowtex angegebene Zahl von Bohrmaschinen tatsächlich existiert habe, sagte Geschäftsführungsmitglied Birger Lassen am Mittwoch. Die Klage sei bereits vor einiger Zeit beim Landgericht Berlin eingereicht worden. Er bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt", wonach es um einen Betrag von 4,75 Millionen Mark plus Zinsen geht.

KPMG bezeichnete die Klage als unbegründet. Man werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um den vermeintlichen Ansprüchen entgegenzutreten. Extreme Betrugshandlungen wie bei FlowTex seien "mit den Mitteln und Maßnahmen im Rahmen einer Abschlussprüfung nicht aufzudecken". Auch KPMG werde von der zuständigen Staatsanwaltschaft zu den Geschädigten gezählt.

Im größten Wirtschaftsbetrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte mit einem strafrechtlichen Schaden von mehr als vier Milliarden Mark hatte die Flowtex-Gruppe über 3000 nicht existente Bohrsysteme an Leasingfirmen verkauft. Der Schwindel war trotz Betriebsprüfung und mehrerer Ermittlungsverfahren erst im Jahr 2000 endgültig aufgeflogen.

100 Millionen freiwillig gezahlt

KPMG-Prüfer hatten seit 1997 die Jahresabschlüsse der kriminellen Flowtex als einwandfrei testiert. Im Mai hatte sich KPMG zur Zahlung von 100 Millionen Mark an einen Pool von 76 geschädigten Banken und Leasingfirmen bereit erklärt, gleichzeitig jedoch betont, dass die KPMG-Mitarbeiter korrekt geprüft hätten. Dem Pool hatten sich jedoch das Bankhaus Löbbecke und einige andere Gläubiger nicht angeschlossen.

Als Sicherheit für den gewährten Kredit wären der Bank die Bohrsysteme im Notfall übereignet worden. Da es jedoch fast keine Maschinen gab, stand die Bank mit leeren Händen da.

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