Flowtex Die fantastischen Vier

Wer sind die Hauptverantwortlichen im Flowtex-Skandal? Ein Überblick.

Mannheim - Die vier Angeklagten im Flowtex-Skandal hatten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft klar verteilte Rollen: Der einstige Lebemann Manfred Schmider (52) soll der Flowtex-Macher gewesen sein, der sprichwörtliche Unternehmertyp, der die Geschäfte vorantrieb. Der Lebensstil Schmiders mit Villen und Anwesen in Deutschland, der Schweiz, Florida und Uruguay war filmreif. Der Gesamtwert der Immobilien wird auf 95 Millionen Mark geschätzt. Allein das Anwesen in Miami ist laut Insolvenzverwalter etwa 25 Millionen Mark wert.

Wenige Wochen vor Beginn des Prozesses hatte das Gericht Schmiders Untersuchung in einem psychiatrischen Landeskrankenhaus angeordnet. Hintergrund: Nach einem Gutachten des Gerichtspsychiaters Willi Schumacher von der Universität Gießen sind Schmiders Taten zum Teil auf Größenwahn zurückzuführen.

Diese Entscheidung war dann vom Oberlandesgericht Karlsruhe wieder teilweise aufgehoben wurde. Durch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgericht war Schmider, der in der Zwischenzeit von Mannheim nach Stuttgart verlegt worden war, wieder in die badische Stadt zurückgebracht worden.

Beim Auftakt des Prozesses in Mannheim lächelte der frühere Gebrauchtwagenhändler nur verlegen in die Kameras. Der seit eineinhalb Jahren andauernde Medienrummel um Flowtex sei "für Manfred Schmider und seine Familie eine sehr schwere Belastung", sagt dazu Verteidiger Wolf Schiller.

Sein Geschäftspartner Klaus Kleiser (51) sorgte für die notwendige Sachkenntnis in Sachen Bau. Zwar waren die meisten Horizontalbohrsysteme fiktiv, die Flowtex-Technik jedoch ist real: Mit den Maschinen kann man Gräben bohren, ohne die Straße aufreißen zu müssen. Kleiser, der 1981 über "Bruchmechanische Untersuchungen an einer zementmörtelbewehrten Matrix" seinen Doktor machte, veröffentlichte 1996 das Buch "Der grabenlose Leitungsbau".

Der dritte Angeklagte, Karl Schmitz (53), war der Finanzchef. Der frühere Leiter der Mannheimer Commerzbank-Niederlassung wurde den Ermittlungen zufolge eigens angeworben, um den stetig wachsenden Geldbedarf von zuletzt über 60 Millionen Mark im Monat zu decken.

Schmitz soll auch seine Kontakte in die Finanzwelt genutzt haben, um geplante Anleihen in Höhe von je 250 Millionen Euro zu organisieren. Bei seinem Geständnis vor dem Richter beruft er sich auf uneigenützige Motive. Dass er selbst in kriminelle Aktivitäten verstrickt würde, habe er ausgeschlossen.

Schmitz: "Ich sah mich selbst als Nothelfer, der den in der Vergangenheit angerichteten Schaden beheben könnte." Nachdem er die Affäre bemerkt habe, habe Schmider ihm drei Millionen Mark auf ein Schweizer Konto überwiesen, das er - Schmitz - unter dem Namen seiner Mutter eröffnet hatte.

Die ebenfalls angeklagte Angelika Neumann (48) war nach Presseberichten ursprünglich Sekretärin bei Manfred Schmider. Später stieg die ehemalige Näherin zur Geschäftsführerin auf. In Thüringen spielte sie eine entscheidende Rolle: Sie leitete die zur Flowtex-Gruppe gehörige Firma KSK, die die nicht existenten Maschinen an die geprellte Kundschaft verkaufte. Als das Kartenhaus der vermeintlichen Horizontalbohr-Experten in sich zusammenbrach, erstattete sie am 5. Februar 1996 wegen einer bevorstehenden Betriebsprüfung durch das Finanzamt Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung.

Nicht anwesend beim Prozess ist der deutsch-syrische Flowtex-Geschäftspartner Mohammed Yassin Dogmoch, dem in Deutschland die Festnahme droht. Von Seiten der Verteidigung kommen keine Vorwürfe gegen den in sicherer Entfernung im libanesischen Beirut residierenden Geschäftsmann: "Es ist nicht unsere Aufgabe, Herrn Dogmochs Schuld oder Unschuld zu beurteilen", sagt Schmiders Anwalt Schiller.


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