Opel Abwärtstrend gestoppt?

Der Konzern erklärt die Talfahrt für beendet. Werksschließungen sind aber noch immer ein Thema.

Frankfurt - Opel rechnet für dieses Jahr in Deutschland mit einem Marktanteil zumindest auf dem Niveau des Vorjahres. "Ich bin überzeugt, dass wir den Marktanteil des Vorjahres von 12,2 Prozent auch im Gesamtjahr 2001 zumindest halten werden", sagte Vertriebschef Andrej Barcák der Finanzzeitung "Handelsblatt" in einem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview. Damit habe Opel nach fünf Jahren mit sinkenden Marktanteilen in Folge einen Boden gefunden.

Im Juli habe der Marktanteil, der sich im ersten Halbjahr in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegt habe, auf mehr als 13 Prozent zugenommen.

Operativer Milliarden-Verlust

Die deutsche Tochter des US-Konzerns General Motors hatte im vergangenen Jahr im Inland einen Absatzeinbruch um rund ein Fünftel verzeichnet und einen operativen Verlust von fast einer Milliarde Mark ausgewiesen. Unter seinem neuen Chef Carl-Peter Forster arbeitet Opel derzeit mit Hochdruck ein Sanierungsprogramm mit dem Titel "Olympia" aus, durch das unter anderem die Kosten gesenkt und die Marke gestärkt werden soll.

Forster hatte bereits vor einigen Wochen gesagt, ohne einen Stellenabbau sei eine Erholung von GM in Europa insgesamt wahrscheinlich nicht möglich. Im zweiten Quartal hatte GM im Europa-Geschäft einen Verlust von 154 Millionen Dollar verzeichnet. Auch Werksschließungen hatte Forster nicht ausgeschlossen, aber zugleich als unwahrscheinlich bezeichnet.

Deutsche Werke nicht gefährdet

Die deutschen Opel-Werke gelten allerdings als effizient (Eisenach) oder ausgelastet (Bochum). Im Stammwerk Rüsselsheim wird derzeit eine komplett neue Fertigung nach modernsten Standards für mehr als eine Milliarde Mark errichtet.

Nach Angaben aus Firmenkreisen soll am kommenden Dienstag der Opel-Aufsichtsrat über Grundzüge des "Olympia"-Programms informiert werden. Anfang der Woche habe Forster auch in der Konzernzentrale von GM in Detroit Grundzüge seiner Pläne vorgetragen. Opel gab auf Anfrage keine Stellungnahme über das Sanierungsprogramm und die Gespräche Forsters in der GM-Zentrale ab.

Kein Ärger wegen des Vectras

Derweil wies ein Opel-Sprecher Medienberichte zurück, wonach Forster Nachbesserungen an dem fertig entwickelten Nachfolger des Opel Vectra verlangt habe und das Modell daher nicht auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt im September gezeigt werde.

Man wolle nur eine zeitnahe Präsentation kurz vor der Markteinführung im März, und außerdem sei die Entwicklung längst abgeschlossen, sagte er. Lediglich kleine optische Veränderung etwa bei den Stoffen im Innenraum seien noch möglich. "Es wird nichts verschoben, und es wurde nichts verändert", sagte der Sprecher. Forster sei aber jemand, der sich sehr stark um die Produkte kümmere. "Er hat sicher noch den ein oder anderen Vorschlag gemacht. Und er wird mit Sicherheit seine Standards angelegt haben." Forster war zuvor Produktionschef beim Luxuswagenhersteller BMW.