Audi Rekordkurs

Während sich andere Konzerne mit der Flaute plagen, konnte der Autobauer seinen Absatz steigern. Die guten Zahlen haben Vorstandschef Paefgen erst einmal Luft verschafft.

Ingolstadt - Nach dem besten Halbjahr der Firmengeschichte peilt die Volkswagen-Tochter Audi auch für das ganze Jahr Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn an. "Wir erwarten, dass wir in allen wesentlichen Kennzahlen zulegen und den Trend des ersten Halbjahres fortsetzen", sagte ein Audi-Sprecher am Donnerstag in Ingolstadt.

In den ersten sechs Monaten steigerte Audi den Gewinn vor Steuern nach eigenen Angaben um fast ein Fünftel auf 463 (2000: 388) Millionen Euro. Der Oberklasse-Hersteller habe sich damit dem weltweiten Trend widersetzt, hieß es. An die Kunden lieferte Audi bis Ende Juni fast 369.000 Autos der eigenen Marke aus, 6,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bis Jahresende will das Unternehmen zum ersten Mal die Marke von 700.000 Audi-Fahrzeugen überspringen.

Lamborghini bleibt verlustreich

Bei einem Umsatzzuwachs von 14,5 Prozent auf 11,43 Milliarden Euro verbesserte sich die Umsatzrendite auf 4,1 von 3,9 Prozent, wie Audi mitteilte. Das Konzernziel liegt bei einer Rendite von 6,5 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte Audi das Rekordergebnis aus dem Jahr 1999 mit 823 Millionen Euro vor Steuern nur knapp verfehlt.

Einschließlich der übrigen Marken aus dem VW-Konzern, die die Vertriebstochter Autogerma in Italien verkaufte, lieferten die Ingolstädter in den ersten sechs Monaten mehr als 523.000 (489.000) Fahrzeuge aus. Die verlustreiche Sportwagen-Tochter Lamborghini übergab 162 (137) ihrer Luxuswagen an ihre Käufer.

Das Glück liegt in Übersee

Audi profitierte vor allem von weiter boomenden Märkten in Übersee. In den USA stiegen die Verkaufszahlen im Vergleich zum Rekordjahr 2000 um 7,3 Prozent, in Brasilien wurden 43 Prozent mehr Fahrzeuge aus Ingolstadt an den Kunden gebracht. In Europa (ohne Deutschland) lag die Zuwachsrate nach Audi-Angaben bei 5,9 Prozent, während auf dem insgesamt rückläufigen deutschen Markt unter dem Strich noch ein Absatzplus von 3,6 Prozent auf knapp 130.000 Fahrzeuge stand.

Verschnaufpause für Vorstandschef Paefgen

Mit dem Ergebnis dürfte sich Vorstandschef Franz-Josef Paefgen nach Einschätzung von Marktbeobachtern erst einmal Luft verschaffen, nachdem der VW-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piech bei Audi öffentlich "Stillstand" beklagt hatte.

Trotz der guten Zahlen reißt die Personaldebatte um Paefgen jedoch nicht ab. Zuletzt wurde darüber spekuliert, dass der Audi-Vorstandsvorsitzende zu DaimlerChrysler wechsele. Aus Branchenkreisen verlautete jedoch, dass der Stuttgarter Autobauer daran keine Interesse habe.