Volkswagen Weiter im Gespräch

Der Konzern und sein Betriebsrat halten an "5000x5000" fest. Auch die Politik meldet sich.

Wolfsburg - Das Unternehmen und die Arbeitnehmer-Vertreter einigten sich auf eine Zwischenlösung und machten so den Weg frei für neue Verhandlungen der Tarifpartner. VW-Personalvorstand Peter Hartz sagte am Freitag in Wolfsburg, das Unternehmen wolle an den Verhandlungstisch zurückkehren. "Volkswagen hält an seiner Beschäftigungsinitiative fest."

VW strebe nach wie vor eine Lösung an, "die nach einem Abschluss des dreijährigen Pilot-Versuches in das Modell 5000x5000 mündet". IG Metall-Chef Klaus Zwickel sprach von einem "ersten Schritt zu einer möglichen Lösung". IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine sah die Grundlage für weitere Gespräche geschaffen.

Durchbruch dank Hartz und Volkert

Der Durchbruch wurde erreicht, indem sich Hartz und Konzernbetriebsrat Klaus Volkert zunächst darauf verständigten, die Arbeitslosen wahrscheinlich bei der VW Coaching Gesellschaft zum Frühsommer nächsten Jahres zu den dort gültigen Tarifverträgen einzustellen. Nach der Qualifizierung soll die Produktion des Minivan in Wolfsburg im Herbst 2002 beginnen. VW geht von bis zu 40.000 Bewerbern aus.

Eine Arbeitsgruppe von Betriebsrat und VW soll bis Ende August 2001 die Konditionen für die Einstellung festlegen und Vorschläge für eine mögliche Übernahme in die Produktion erarbeiten. VW werde dabei aber an der Beschäftigung bei der Tochter "Auto 5000 GmbH" festhalten. Parallel werde der Konzern auch nach anderen Standorten für den Bau des Minivan suchen.

Erste Bewerbungen

Die nun gewonnene Zeit solle für neue Verhandlungen um die nach wie vor strittigen Fragen des Tarifmodells 5000x5000 genutzt werden, betonten Volkert und Hartz. Ein neuer Verhandlungstermin stehe aber noch nicht fest. Die Gespräche zwischen VW und IG Metall waren am Montag vor allem an der Frage der Arbeitszeit gescheitert. Nach den ursprünglichen Plänen wollte VW 5000 neue Arbeitsplätze zu einem Entgelt von 5000 Mark (2556 Euro) schaffen.

Konzernbetriebsrat Klaus Volkert betonte: "Wir werden nichts machen, was gegen Tarifverträge verstößt." Auch eine Lösung ohne die IG Metall sei mit ihm nicht zu machen. Volkert: "Wir stehen nicht am Ende, sondern vor einer Bewährungsprobe der besonderen Mitbestimmung bei Volkswagen." IG-Metall-Chef Klaus Zwickel werde nicht in der Arbeitsgruppe vertreten sein, er werde aber über deren Ergebnisse informiert. Es gebe keinen Keil zwischen ihm und Zwickel, lediglich "Spannungen auf die Entfernung".

"Noch viele offene Fragen"

Trotz der im Grundsatz positiven Bewertung des neuen Vorhabens sieht IG-Metall-Chef Zwickel unverändert "viele offene Fragen, die mit der IG Metall geklärt werden müssen". Er begrüßte, dass VW den neuen Minivan trotz der offenen Fragen in Wolfsburg bauen wolle.

Neue Gespräche könnten jederzeit aufgenommen werden, allerdings müsse sich VW "endgültig von seinen abenteuerlichen Vorstellungen zur Gestaltung der Arbeits- und Einkommensbedingungen verabschieden". Eine Lösung müsse nicht dem VW-Haustarif entsprechen, müsse aber deutlich über dem Flächentarif liegen.

Gabriels Vermittlungsversuch

Mit einem Brief an die Tarif-Partner hat sich Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) in die Verhandlungen um 5000 neue Arbeitsplätze eingeschaltet. Nach Angaben der Staatskanzlei hat Gabriel die Beteiligten darin zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. "Ich bin sicher, dass dies gelingen kann", schrieb Gabriel an den Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, Ferdinand Piëch, und den Vorsitzenden der IG Metall, Klaus Zwickel.

Mit dem Projekt sollen bis zu 5000 neue Arbeitsplätze in Wolfsburg und Hannover geschaffen werden. VW geht nach Worten von Hartz von bis zu 40.000 Bewerbern für die neuen Arbeitsplätze aus, für die vornehmlich Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen eingestellt werden sollen.

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