Jugoslawien Beifall für einen Helikopter

Anderthalb Stunden nach Mitternacht kam der ehemalige Diktator Slobodan Milosevic am Freitag in Den Haag an. Empfangen von zahlreichen Opfern seines Regimes.

Den Haag - Am Nachthimmel über Den Haag ist erst entfernt, dann immer lauter Dröhnen von Hubschrauberrotoren zu hören. Wer da eingeflogen wird, ist nicht zu erkennen. Dennoch brandet vor den Mauern des Gefängnisses in Scheveningen Beifall auf. Erst mit der amtlichen Bestätigung wird es Gewissheit: Kurz vor 1.30 Uhr am Freitagmorgen - rund zehn Jahre nach dem Ausbruch des Kroatien-Krieges - landet der ehemalige jugoslawische Staatspräsident Slobodan Milosevic in Den Haag hinter Gittern. Was noch Stunden zuvor in weiter Ferne zu liegen schien, ist Wirklichkeit geworden.

Vorangegangen war ein stundenlanges Versteckspiel. Straßen waren gesperrt, Polizeiposten bezogen worden - Hinweise auf die Ankunft des prominenten Häftlings im Auto? Der 59-Jährige war von Belgrad aus zur NATO-Basis ins bosnische Tuzla gebracht und von dort mit einer Maschine des Bündnisses in die Niederlande geflogen worden.

Ehefrau stand in leerer Zelle

Alles ging dabei so Hals über Kopf, dass selbst Milosevics Ehefrau Mira Markovic in Belgrad ihren Mann nicht mehr im Gefängnis antraf. Wo sein Flugzeug in den Niederlanden landete und wo der mutmaßliche Kriegsverbrecher in den Hubschrauber umsteigen musste, blieb auch am Freitag zunächst im Dunkeln.

Der überraschende Auslieferungsbeschluss der Regierung in Belgrad hatte in Den Haag schon Stunden vor der Ankunft hunderte Schaulustige vor die Mauern des festungsartigen Gefängnisbaues getrieben. Viele ehemalige Bewohner Jugoslawiens waren darunter. Fahnen aus dem einstigen Jugoslawien hingen über der Absperrung. Ein Bosnier fuhr mit Geschrei vor das Gefängnis, die Flagge seines Landes aus dem Wagenfenster gestreckt.

"Wir sind sehr, sehr glücklich"

"Das ist ein großer Tag für Serbien", sagte der 25-jährige Mirodar. "Wir sind sehr, sehr glücklich, ein Gefühl der Freiheit", freute sich die Kroatin Tatjana. Sie lebt mit ihrem serbischen Freund in den Niederlanden im Asyl und wollte die Inhaftierung Milosevics aus der Nähe miterleben. "Er ist schuld daran, dass wir unsere Heimat verlassen mussten", sagte die 33-Jährige.

Der einst mächtigste Mann Serbiens, dem UN-Chefanklägerin Carla del Ponte mehrere hundert Morde sowie Vertreibung und Verfolgung von Hunderttausenden im Kosovo vorwirft, soll in Handfesseln angekommen sein. Das niederländische Fernsehen zeigte später Bilder eines Mannes, den zwei Bewacher vom gefängniseigenen Sportgelände in die Zelle führten. Wie lange er dort sitzen wird, weiß noch niemand.

Michael Donhauser, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.