Mittwoch, 26. Juni 2019

DG Bank/GZ Bank Durchbruch

Die Genossenschaftsbanken erzielen im Zuge der Fusion Einigung über die Bewertung. Pleister soll Aufsichtsratschef werden.

GZ-Bank-Chef Ulrich Brixner wird auch erster Mann beim neuen Genossenschaftsinstitut
GZ-Bank-Chef Ulrich Brixner wird auch erster Mann beim neuen Genossenschaftsinstitut

Frankfurt - DG Bank und GZ Bank haben sich am Sonntag nach mehrstündigen Verhandlungen auf die Bewertung der Institute geeinigt und damit den Weg für ihre Fusion zur neuen DZ Bank frei gemacht. Die Gesamtbewertung beider Institute liege bei rund 24 Milliarden Mark und verteile sich zu gleichen Teilen auf beide Banken, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der zwei Bankhäuser am Sonntagnachmittag. Der Zusammenschluss zur nach der Bilanzsumme sechstgrößten deutschen Bank solle nun wie geplant ab September rückwirkend zum Jahresbeginn 2001 umgesetzt werden. Als Aufsichtsratschef der neuen DZ Bank vorgeschlagen werde Christopher Pleister, der jetzige AR-Chef der DG Bank und Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

"Die Aufsichtsratsvorsitzenden und Vorstände beider Banken sind sich einig, dass der Fusionsprozess zur DZ Bank im vorgesehenen Zeitplan zügig umgesetzt werden soll", hieß es in der gemeinsamen Mitteilung der beiden Geldinstitute. In den vergangenen Tagen waren Zweifel an der geplanten Bankenfusion aufgekommen, nachdem es zu Differenzen über Bewertungsfragen und die Beteilungsverhältnisse an der neuen Bank gekommen sein soll. Beide Banken wollten sich am Sonntag nicht näher zu dem Verhandlungsergebnis äußern.

Früheren Angaben zufolge sollen die Aufsichtsräte beider Banken am 9. Juli die Fusion absegnen. Für den 16. August ist die Zustimmung beider Hauptversammlungen vorgesehen, bevor die neue Bank am 31. August ins Handelsregister eingetragen wird. Pleister hatte das Zusammengehen der genossenschaftlichen Spitzeninstitute vorangetrieben. Ziel der Fusion ist es, Doppelarbeit bei den Dienstleistungen für die Genossenschaftsbanken zu vermeiden und ab 2005 jährlich 400 Millionen Mark einzusparen.

Die größere DG-Bank in Nöten

Auf der größeren DG Bank lasten erhebliche finanzielle Risiken, was den Druck zu einer Fusion mit der GZ-Bank erhöht hatte. 2000 musste die Bank ihre Risikovorsorge auf 1,75 Milliarden Mark mehr als vervierfachen, weil bei Kreditkunden etwa aus krisengeschüttelten Branchen wie der Fleischwirtschaft Ausfälle drohten. Von der GZ Bank beauftragte Wirtschaftsprüfer hatten kürzlich ein weiteres so genanntes Risikopotenzial von mehr als 500 Millionen Euro aufgedeckt. Dieses Gutachten ist Teil des Bewertungsgutachtens, mit dem das Austauschverhältnis der Aktien ermittelt wird. Die DG Bank hatte betont, das "Gefährdungspotenzial" lasse nicht auf einen Vorsorgebedarf für 2001 schließen und werde nur unter ungünstigen Umständen über mehrere Jahre ergebniswirksam.

Mit seinem Rücktritt im März hatte DG-Bank-Chef Bernd Thiemann dem Vorstandsvorsitzenden der GZ-Bank, Ulrich Brixner, den Weg an die Spitze der neuen Bank frei gemacht. Die DG Bank beschäftigt in der AG rund 5000 Mitarbeiter, bei der GZ Bank sind es etwa 2300 Mitarbeiter.

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