Leuna-Affäre Hühner in Bewegung

Der Auftritt der Schlüsselfigur Dieter Holzer vor dem Untersuchungsausschuss geriet zur Farce.

Berlin - "Die Wahrheit ist leicht zu ergründen!" Davon ist der ehemalige Präsident des französischen Konzerns Elf Aquitaine, Loik Le Floch-Prigent, im Fall der ostdeutschen Raffinerie Leuna überzeugt. Doch worin die Wahrheit liegt, ist eben nach wie vor die große Frage. Der Geschäftsmann Dieter Holzer trug am Donnerstag jedenfalls nicht zur Wahrheitsfindung bei.

Der Auftritt des 59-jährigen vor dem Berliner Bundestags-Untersuchungsausschuss war mit Spannung erwartet worden. Kurz nach halb drei kam er dann, der Mann, der als eine der Schlüsselfiguren bei der Aufklärung der Schmiergeldvorwürfe im Fall Leuna gilt. Nach den Ankündigungen "aus seiner Umgebung", wie der Ausschussvorsitzende Volker Neumann sagte, hatten die Abgeordneten eigentlich angenommen, dass Holzer etwas sagen wird. Sicher nicht, dass er nun auf einmal Schmiergeldzahlungen an deutsche Politiker einräumt - aber doch, dass er vielleicht irgendetwas zur Klärung des schwierigen Falls beiträgt.

Doch schon die Tatsache, dass CDU-Mitglied Holzer ohne Anwalt erschien, ließ die Kenner der Szene ahnen, was da kommen sollte. "Ich bitte um Verständnis", so Holzer. Doch wegen der gegen ihn in gleich vier Ländern laufenden strafrechtlichen Ermittlungen wolle er keine Aussage machen. Als sein zehnminütiger Auftritt beendet war, trat der "Kaufmann" mit der großen Hornbrille zur allgemeinen Überraschung auf einmal vor die Mikrofone und entrüstete sich. Zu den Vorwürfen gegen ihn, er habe Schmiergelder an deutsche Politiker gezahlt: "Alles Märchen aus 1001 Nacht. Da lachen ja die Hühner." Und insbesondere Altkanzler Helmut Kohl nahm er in Schutz. Den habe er nie gesprochen und geschweige denn Schmiergeld an ihn gezahlt, sagte Holzer.

Selbst die Unionsabgeordneten reagierten ziemlich konsterniert auf das Verhalten des Zeugen. SPD und Grüne wollen sich davon aber nicht abschrecken lassen. Denn das, was vor Monaten noch unwahrscheinlich war, ist eingetreten. "In den Fall Leuna ist Bewegung gekommen", sagte Neumann schon vor der Sitzung. Fast täglich gibt es neue Hinweise, da mag auch Holzer alle Vorwürfe bestreiten.

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