Telekom Kabelnetz verkauft

Konzernchef Sommer ist endlich das Kabelnetz los. Die Allianz mit Kirch ist damit hinfällig.

Bonn - Käufer der noch bei der Telekom verbliebenen sechs regionalen Kabelfernsehgesellschaften ist die britisch-amerikanische Liberty Media Corporation. Die Telekom erklärte am Donnerstag in Bonn in einer Ad-hoc-Mitteilung, Liberty übernehme die Kabelgesellschaften in Hamburg/Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern, Bremen/Niedersachsen, Rheinland-Pfalz/Saarland, Berlin/Brandenburg, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen und Bayern zu 100 Prozent. Über den Kaufpreis machte die Telekom keine Angaben.

In den sechs Regionen seien mehr als zehn Millionen Haushalte an das Kabelnetz angeschlossen, erläuterte die Telekom. Ebenso würden die auf diese Regionen entfallenden Aktivitäten der Deutsche Telekom Kabel-Services GmbH (DeTeKS) und die Media Services GmbH (MSG) von Liberty übernommen.

Einem entsprechenden Eckpunktevertrag hätten die Vorstände beider Unternehmen zugestimmt. Die detaillierten Transaktionsverträge sollten im Juli abgeschlossen werden. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme der Kabelgesellschaften noch zustimmen.

Die Telekom hatte bereits die Kabelfernsehnetze in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen verkauft. Dort hatten die neuen Eigner allerdings nur Mehrheitsanteile erhalten.

Milliarden zur Schuldentilgung

Über den Kaufpreis wurde am Donnerstag nur spekuliert. Die Nachrichtenagentur Reuters nannte fünf Milliarden Mark und berief sich auf Telekom-Kreise.

Die Telekom will ihre Verbindlichkeit von rund 56,8 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals in diesem Jahr um 11 bis 14 Milliarden Euro reduzieren und hat dazu einen Erlös aus dem Kabel-Verkauf fest eingeplant. Auch von Immobilien und sonstigen Randaktivitäten will sich die Telekom trennen.

Keine Zusammenarbeit mit Beta Research

Mit ihrer neuen Strategie, sich gänzlich von ihrem Kabelnetz zu trennen, sei für die Telekom auch das bereits fest vereinbarte Bündnis mit der im Pay-TV führenden Kirch-Gruppe fürs Internet und Kabelfernsehen hinfällig, sagte Telekom-Vorstand Gerd Tenzer in Bonn. Beide Seiten hätten daher wieder Abstand davon genommen. Die Deutsche Telekom wollte - angeblich für rund eine Milliarde Mark - 51 Prozent der Kirch-Tochter Beta Research übernehmen. Für die Allianz war bereits eine Genehmigung beim Bundeskartellamt beantragt worden.

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