Firestone Noch mehr Opfer

Die Unfallserie hat mehr Todesopfer gefordert. Der Reifenhersteller fühlt sich dennoch entlastet.

Washington - Nach neuesten Daten der US-Sicherheitsbehörde für Straßenverkehr NHTSA erhöhte sich die Zahl der Todesfälle mit defekten Firestone-Reifen an dem Ford-Modell Explorer um 29 auf 203. Die Zahl der bei den Unfällen Verletzten liege nach wie vor bei über 700, teilte die Behörde am Montagabend in Washington mit.

Am Dienstag findet die Anhörung der Vorstandsvorsitzenden von Ford und Firestone vor dem Energie- und Handelsausschuss des US-Repräsentantenhauses statt. Ford hatte Ende Mai 13 Millionen Firestone-Reifen vorrangig an ihren Modellen Explorer für mehr als drei Milliarden Dollar wegen "erheblicher Sicherheitsrisiken" zurückgerufen.

Skepsis gegenüber Ford-Austauschprogramm

Ein Mitglied des Kongress-Ausschusses, der die Sicherheit der Reifen überwacht und mit den Plänen von Ford vertraut ist, äußerte sich skeptisch zu dem Austausch-Programm von Ford. Einige der Reifen, mit denen der Autohersteller die Firestone-Reifen ersetzen wolle, könnten ebenfalls Risiken bergen.

"Nach unseren Erkenntnissen ersetzt Ford die Firestone-Reifen in einigen Fällen mit Marken, bei denen im Vergleich häufiger Reklamationen auftreten", sagte Ken Johnson, ein Sprecher des Energie- und Handelsausschusses. Die genauen Ergebnisse der Untersuchung sollen am Dienstag während der Anhörung veröffentlicht werden.

Firestone: "Rückrufaktion war unnötig"

Bei Ford war zunächst niemand zu einer Stellungnahme zu erreichen. Eine Firestone-Sprecherin sagte, die neuesten Erkenntnisse der Behörde seien ein Beweis mehr dafür, dass die gesamte Rückrufaktion unnötig sei.

Firestone hatte Anfang Juni die US-Regierung um eine offizielle Untersuchung des Ford Explorer gebeten. Eine von Firestone in Auftrag gegebene Studie habe signifikante Sicherheitsmängel bei einer wichtigen Fahrzeugkomponente des Explorer ergeben, begründete der Reifenhersteller sein Anliegen. Ford hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen.

Angehörige der Opfer klagen

Der Reifenhersteller und sein Mutterkonzern Bridgestone sind aber noch längst nicht aus dem Schneider. Wieder erhob ein Angehöriger von Todesopfern Klage gegen das Unternehmen.

Der Kläger Evelio Herrera macht Firestone vor einem Gericht in Miami (US-Bundesstaat Florida) für den Unfalltod seiner Eltern verantwortlich. Deren Wagen, ein Ford Explorer, war im Mai vergangenen Jahres nach einem geplatzten Reifen auf einer Autobahn verunglückt, zwei weitere Insassen wurden dabei schwer verletzt.

Eine Milliarde Dollar Schadenersatz

Wie die Kanzlei um den Zivilrechtsanwalt Willie Gary mitteilte, geht es um eine Schadensersatzzahlung von einer Milliarde Dollar (2,3 Millionen Mark).

In einer Erklärung versicherte das Unternehmen, es nehme jeden Unfall, in dem seine Reifen verwickelt seien, sehr ernst. Ob in diesem Fall der Reifen die Unfallursache gewesen sei, werde Gegenstand des Verfahrens sein.