Ford Sanierungsprogramm greift

Europa-Chef Scheele präsentiert sich als knallharter Sanierer. Sogar über eine spektakuläre Akquisition denkt er nach.

Hamburg - Der Autohersteller Ford rechnet in diesem Jahr in Europa mit einer deutlichen Ertragsverbesserung. "Im ersten Quartal 2001 sind die Zahlen schon wieder schwarz", sagte Ford-Europa-Chef Nick Scheele in einem Interview mit dem manager magazin, das am Freitag (22. Juni) erscheint. Scheele wollte sich allerdings nicht festlegen, ob er dies für das Gesamtjahr so positiv sieht. Im vergangenen Jahr hatte Ford in Europa einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar eingefahren.

Scheele sagte weiter, dass der Auslastungsgrad der Kapazitäten in Europa von 71 auf 90 Prozent gestiegen sei, nachdem Ford ein Werk in England geschlossen habe. Der jährliche Investitionsbedarf sinke von 1,7 Milliarden Dollar auf 1,2 Milliarden Dollar. "Unser Sanierungsprogramm greift", erklärte Scheele in dem Interview.

Produktoffensive

Der Ford-Europa-Chef kündigte an, mit zahlreichen neuen Modellen die Produktpalette attraktiver zu gestalten. Neben dem Street Ka, einem preisgünstigen Cabrio, das 2003 auf den Markt komme, wolle er sportliche Varianten der Modelle Fiesta, Focus und Mondeo auflegen. Damit werde Ford "an die Cosworth- und RS-Modelle der achtziger Jahre" anknüpfen.

Der Ford-Europa-Chef räumte ein, dass der Autohersteller in den vergangenen Jahren Trends verschlafen habe. Scheele nannte die Trends zu Dieselmotoren sowie Minivans und Cabrios. Dadurch sei Ford in Europa ein Absatzpotenzial von mehreren hunderttausend Fahrzeugen pro Jahr verloren gegangen. Die Aufholjagd brauche aber Zeit.

Scheele: "Wir haben erst im vergangenen Jahr angefangen, aus Ford wieder eine attraktive Marke zu machen. Ich denke, es dauert noch vier, fünf Jahre, bis wir am Ziel sind."

Scheele sibyllinisch

Zur Frage einer denkbaren Übernahme des Wettbewerbers Volkswagen erklärte Scheele: "Wir haben immer Firmen und Marken akquiriert, die eigentlich als nicht käuflich galten."

Die Gerüchte um eine Übernahme von Volkswagen kursieren schon seit mehreren Monaten im Markt. Denn klar ist: Ford hat in der Modellpolitik und in der kritischen Unternehmensgröße Nachholbedarf.

Auf Scheeles Wunschliste stehen angeblich fünf bis sechs große Autokonzerne. Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass in den nächsten Wochen ein konkreter Geschäftsabschluss präsentiert wird.