Deutsche Bank Schlecht beraten

Der Branchenprimus verärgert seine treuesten Kunden mit unverständlichen Preismodellen. Rolf Breuers (Foto) neue Berechnung der Wertpapierprovisionen entpuppt sich als Schönwettermodell.

Frankfurt – Es ist erst ein paar Jahre her, da startete die Deutsche Bank die "Initiative Kundennähe". Alle Mitarbeiter wurden mit Infomaterial zu den neuen Verhaltensregeln überhäuft und sollten so vom Schalterbeamten zum Service orientierten Berater umgeschult werden.

Abgesehen davon, dass sich Freundlichkeit nicht wirklich antrainieren lässt, scheint mit den Jahren das Bemühen um mehr Kundenorientierung beim Branchenprimus wieder eingeschlafen zu sein. Anders lässt sich nicht erklären, wie die Einführung der Preismodelle im Anlagegeschäft mit den vermögenden Privatkunden (Private Banking) so nach hinten losgehen konnte.

Laut eines Berichts der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) ist der Frust über das neue Abrechnungsmodell groß. Der neue Ansatz verringert zwar die Gebühren für die einzelnen Transaktionen, erhöht dafür aber die fixen Kosten, die sich aus dem Gesamtwert des Depots berechnen und die Beratungsleistung widerspiegeln sollen.

Die Deutsche Bank geht laut FAZ dabei von einem Beispieldepot in Höhe von 500.000 Euro aus, dass mit fünfzehn Transaktionen je 10.000 Euro im Jahr umgeschichtet wird. Bei diesen Bedingungen wären die Kosten nach alter und neuer Rechnung ungefähr gleich.

Die Idee, die Dienstleistung "Beratung" in Rechnung zu stellen, ist grundsätzlich zu begrüßen. Schließlich wird der Wettbewerb auf dem Finanzsektor künftig nicht über die Produkte sondern die Beratungsqualität ausgetragen.

Bei der Deutschen Bank scheint man sich aber verrechnet zu haben. Den die Opfer dieser Innovation sind Anleger, die hohe Wertpapierbestände im Depot haben, die kaum umgeschichtet werden – kein Einzelfall also im Kundenportfolio der Deutschbanker. Da nach der neuen Berechnungsformel ein unangetastetes Depot von einer Million Euro seinen Besitzer im Jahr rund 2600 Euro kosten würde, soll es laut FAZ bereits zu Kündigungen gekommen sein.

Naivität oder Absicht?

"Es gibt Kunden, für die sich das neue Modell günstiger gestaltet, während es sich für andere manchmal weniger vorteilhaft anlässt", sagte Guido Heuveldop, Leiter des Private Bankings der Deutschen Bank, der FAZ. Er räumte Nachteile für langfristig orientierte Anleger ein. Um Kunden zu halten, wäre er aber in Einzelfällen zu günstigeren Provisionsgestaltungen bereit.

Indirekt gibt Heuveldop zu, dass die neue Berechnung ein Schönwettermodell ist, das sich für die Kunden nur bei positiver Börsenlage mit vielen Transaktionen lohnt. "Da auf Grund der Marktlage die Transaktionszahlungen insgesamt rückläufig sind, fällt vielen Kunden nicht auf, dass sich ihre Transaktionskosten deutlich verringert haben."

Eine verdeckte Provisionserhöhung sieht er aber nicht: "Ziel war es, unsere Beratungsleistung, die den Kern unseres Angebots ausmacht, zu bepreisen und diese nicht mehr wie bisher durch überhöhte Transaktionskosten zu verrechnen."