Deutsche Bahn Der Eroberungszug

Bahnchef Mehdorn will eine Art "Star Alliance" auf Europas Gleisen.

Berlin - Die Deutsche Bahn setzt für ihr künftiges Wachstum unter anderem auf das Geschäft im europäischen Ausland und Kooperationen mit den dortigen Bahngesellschaften. So sollen die gemeinsamen Aktivitäten mit den Güterbahnen in den Niederlanden und Dänemark unter dem Dach des Gemeinschaftsunternehmen Railion auf andere Länder ausgebaut werden. "Wir schließen Verflechtungen im Cargo-Bereich auch woanders nicht aus", sagte der Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn am Mittwoch. Im Personenverkehr setzt das Unternehmen auf weitere strategische Allianzen. Zudem bewirbt sich die Bahn in Dänemark erstmals um den Zuschlag für eine Nahverkehrsregion im Ausland.

Gleichzeitig sollen einheitliche Standards den grenzüberschreitenden Verkehr vereinfachen. Für ein neues Leitsystem, das in der Endphase die Signale an der Bahnstrecke überflüssig machen soll, würden bis 2004 rund 14 Milliarden Mark ausgeben, kündigte Mehdorn an. Nach Angaben von Eckart Fricke, Leiter Fahrwegentwicklung, wird die Infrastruktur in Deutschland von Mannesmann Arcor geliefert, an der die Bahn zu 18 Prozent beteiligt ist. Mehrheitseigner ist die Vodafone Group. Gegenwärtig laufen die Verhandlungen über die von der Bahn gewünschte Ausgliederung der Bahntechnik-Sparte und das IPO des restlichen Unternehmens.

Bis 2007 oder 2008 könnte auch der erste von mehreren europäischen Bahnen gemeinsam geplante Zug auf der Schiene sein. Derzeit würden mit der französischen SNCF und anderen die entsprechenden Spezifikationen erarbeitet. Viel früher würden weitere von zwei Bahnen betriebenen grenzüberschreitend Züge fahren, sagte Bahnchef Mehdorn und nannte als Beipiele Verbindungen nach Warschau und Prag. Auch die Verbindungen nach Österreich würden ausgebaut. Aus solchen Allianzen könne sich ein Netzwerk ähnlich der Kooperationen zwischen Luftfahrtgesellschaften entwickeln.

Auch im Cargo-Bereich setzt die Bahn auf den internationalen Güterverkehr, der bis 2010 überproportional um bis zu 66 Prozent wachsen werde, erwartet Andre Zeug, Vorstandsmitglied der DB Cargo. Vor allem nach Spanien, Italien und Osteuropa würde der Verkehr besonders zunehmen. Daher ist DB Cargo auch hier auf der Suche nach Partnern, die entweder durch Akquisition oder Abkommen in den Railion-Verbund eingegliedert werden sollen. Zeug räumte aber auch ein, dass die Bahn durch den zunehmenden Wettbewerb Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe an Konkurrenten verloren hätte und beklagte eine Abschottung des Marktes gegen Konkurrenten unter anderem in Frankreich.

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