Deutsche Bank Entlastet

Der Gerichtsstreit mit Holzmann-Großaktionär Gevaert geht in die Verlängerung.

Frankfurt - Für eine Klärung der Vorwürfe der belgischen Gevaert gegen die Deutsche Bank und den Baukonzern Philipp Holzmann wegen angeblich nicht ausreichender Risikohinweise beim Einstieg von Gevaert bei Holzmann soll nun ein Gutachten von Wirtschaftsprüfern weitere Klärung bringen.

Das Landgericht in Frankfurt beschloss am Mittwoch die Einholung eines Sachverständigengutachtens. Um die Benennung eines geeigneten Sachverständigen solle die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen ersucht werden, teilte der das Verfahren leitende Richter, Dietmar Wöhler, mit.

Eine direkte Beauftragung der Gesellschaft sei mit diesem Richterspruch allerdings nicht verbunden. Die Anwälte von Gevaert, Holzmann und der Deutschen Bank reagierten unterschiedlich auf den Beschluss.

Überraschende Verluste

In dem Prozess geht es um Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe der belgischen Gevaert an die Deutsche Bank und Holzmann. Die Gevaert-Tochter Gebema hatte Ende 1998 über den Bezug von Wandelschuldverschreibungen und Aktien knapp ein Drittel an Holzmann erworben und war dabei von der Deutschen Bank beraten worden.

Im Herbst 1999 hatte Holzmann völlig unerwartet Verluste von 2,4 Milliarden Mark bekannt gegeben, die später noch auf 2,7 Milliarden Mark angehoben wurden. Die Holzmann-Aktie verlor daraufhin drastisch an Wert und damit auch die Gevaert-Beteiligung. Im Zuge einer sanierungsbedingten Holzmann-Kapitalerhöhung war der Gevaert-Anteil an dem Konzern auf etwa 13 Prozent gefallen.

398 Millionen Mark Schadenersatz

Das belgische Unternehmen wirft insbesondere der Deutschen Bank vor, in den Holzmann-Verkaufsprospekten nicht ausreichend über drohende Risiken des Investments bei Holzmann hingewiesen zu haben. Gevaert verlangt früheren Angaben zufolge von der Deutschen Bank 320 Millionen Mark Schadenersatz für die aus dem Holzmann-Engagement entstandenen Verluste. Weitere 78 Millionen Mark soll der Baukonzern zahlen.

Ohne ein solches Gutachten könne er in dem Verfahren nicht entscheiden, sagte Richter Wöhler und verwies dabei auch auf die hohe Summe der Forderungen. Eine Entscheidung könne daher "nicht übers Knie gebrochen werden". Von dem Prozessausgang hingen zum Beispiel viele Arbeitsplätze ab.

Solche Gesichtspunkte dürften aber in dem eigentlichen Verfahren keine Rolle spielen, so Wöhler. In dem neutralen Gutachten solle es nun im Wesentlichen um die Überprüfung der Holzmann-Bilanz 1997 gehen, die als Grundlage des Verkaufsprospekts für die Anteilsscheine gedient hatte. Einen konkreten Zeithorizont für den weiteren Verlauf des Verfahrens gab der Richter nicht.

Richter entlastet Deutsche Bank

In den Erläuterungen zu seinem Beschluss wies Richter Wöhler ferner darauf hin, dass sich die Deutsche Bank als Emissionsbank unter Umständen auf das Fehlen grober Fahrlässigkeit berufen könne. Die Bank könne sich zunächst auf das Urteil der Wirtschaftsprüfer verlassen und sei nicht zur Kontrolle der Kontrolleure verpflichtet. Die Entscheidung, ein Teilurteil zu fällen und die Klage gegen die Deutsche Bank abzuweisen, habe er aber bewusst nicht getroffen, sagte Wöhler.

Die Anwälte von Holzmann und von der Deutschen Bank reagierten gelassen auf den Beschluss. "Wir können uns kaum vorstellen, dass bei der erneuten Untersuchung etwas anderes herauskommt als bisher", sagte der Holzmann vertretende Rechtsanwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. Der Rechtsvertreter der Deutschen Bank, Peter Heckel, wies überdies daraufhin, dass sich das Verfahren wahrscheinlich nun zeitlich hinauszögern werde.

Gevaert-Anwalt Haas sieht eine Wende

Für Gevaert-Anwalt Mathias Haas stellt der Beschluss hingegen einen Umschwung im Schadenersatzprozess dar. "Dies ist eine Wende im Prozess," sagte Haas. Noch im Februar habe Richter Wöhler der Klage gegen die Deutsche Bank wenig Chancen eingeräumt. "Dies sieht nun anders aus, wir sind angenehm überrascht."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.