Commerzbank Gescheitertes Idol

Für die Zukunft seines Hauses wählt Vorstandschef Müller ein fragwürdiges Vorbild.

Obwohl der Übergang der Commerzbankführung von Martin Kohlhaussen auf Klaus-Peter Müller lange geplant war, geriet der Wechsel im Zuge der turbulenten Hauptversammlung (HV) zu einer Stabübergabe mit Schwierigkeiten.

Der neue Vorstandsvorsitzende Müller will von Kritik auf der HV an der Commerzbank-Strategie aber nichts wissen. "Ich habe wenig Kritik an unserer Strategie vernommen, sehr wohl aber an der Ertragsentwicklung", wähnt er sich in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zumindest in der Tendenz auf dem richtigen Weg.

"Wir tun alles, um die Ertragsstärke der Bank zu verbessern", verspricht Müller ein Kostensenkungsprogramm in Höhe von 240 Millionen Euro. So sollen zum Beispiel EDV-Projekte verschoben werden. Auch ein Einstellungsstopp bis Jahresende wurde verhängt.

Fahrholz als Stichwortgeber

Auf Fragen nach der fehlenden Größe der Commerzbank auf dem internationalem Bankenparkett macht Müller Anleihen bei seiner Frankfurter Nachbarin, der Dresdner Bank. "Unsere Größe ist für ein Haus, das sich primär auf Europa konzentriert, angemessen", klingt doch sehr stark nach der Fahrholzschen Diktion von vor gut einem Jahr. Ambitionen, ebenfalls in den Allianz-Vorstand einzuziehen, werden dem frischgebackenen Commerzbank-Chef aber noch nicht nachgesagt.

Da sich die Commerzbank laut Müller ("Die Preise sind exorbitant hoch") den Einstieg bei einer internationalen Adresse im Investmentbanking zurzeit nicht leisten kann, übt sich der Banker lieber auf den alten Kriegsschauplätzen. "Das ist ein Argument, das durch ständige Wiederholung auch nicht besser wird", lehnt Müller eine besondere Rolle der Sparkassen bei der Mittelstandsförderung als Subventionsbettelei ab.

Wenig überzeugend wirkt Müller im "FAZ"-Gespräch auch bei seiner strategischen Planung für das Geschäft mit den "normalen" Privatkunden. Der Einwurf, "mit dem Engagement unserer Direktbanktochter Comdirect in Frankreich und Italien gibt es schon eine europäische Dimension in unserem Privatkundengeschäft", ist hoffentlich nicht ganz ernst gemeint.

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