Montag, 6. April 2020

Lufthansa Frieden für drei Jahre

Hans-Dietrich Genscher hat es geschafft. Dank der Vermittlung des Ex-Außenministers ist der harte Tarifstreit mit den Piloten beendet. Das Unternehmen leckt sich die Wunden, die Kapitäne sehen sich als Sieger.

Leistete erfolgreiche Arbeit: Hans-Dietrich Genscher
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Leistete erfolgreiche Arbeit: Hans-Dietrich Genscher

Frankfurt/Main - Die Fluggesellschaft und die Piloten-Vereinigung Cockpit (VC) nahmen am Freitag das Ergebnis der Schlichtung an. Genschers Vorschlag sieht zwölf Prozent mehr Grundgehalt für die Piloten vor. Hinzu komme eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern, sagte der ehemalige FDP-Chef am Freitag. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll drei Jahre und drei Monate betragen.

In den auf 2001 folgenden Jahren der Laufzeit sollen die Bezüge im Schnitt der westdeutschen Tarifabschlüsse angehoben werden, wobei für 2002 ein weiterer Aufschlag von 2,8 Prozent vereinbart wurde.

Lufthansa sieht durch den Schlichtungsspruch "erhebliche Mehrkosten" auf das Unternehmen zukommen. Nach der mehrmonatigen Tarifauseinandersetzung sei aber nun der Zeitpunkt gekommen, einen "Schlussstrich zu ziehen, um weiteren Schaden von Mitarbeitern und Kunden abzuwenden", sagte Lufthansa-Verhandlungsführer Stefan Lauer.

Die Piloten-Vereinigung hat das Ergebnis als "Basis für motivierte und engagierte Arbeit des Cockpitpersonals" bezeichnet. Die Bezüge seien an das Niveau europäischer Fluggesellschaften angepasst worden, sagte VC-Verhandlungsführer Michael Tarp.

Harte Auseinandersetzung

Der schwerste Tarifkonflikt in der Geschichte der Lufthansa geht damit nach vier Monaten zu Ende. Genscher hatte zwei Wochen zwischen beiden Seiten vermittelt, um eine Einigung über höhere Gehälter für die 4200 Piloten und Copiloten zu finden.

Cockpit muss das Ergebnis jetzt noch in einer Urabstimmung von den Mitgliedern absegnen lassen. Sprecher Georg Fongern zeigte sich "sehr optimistisch", dass die nötige Zustimmung von mindestens 50 Prozent erreicht werde.

Der Schlichterspruch nach Informationen aus verhandlungsnahen Kreisen eine Tariferhöhung in einem Gesamtumfang von knapp unter 20 Prozent vor. Wie es in den Kreisen weiter hieß, beträgt die Laufzeit des vereinbarten Tarifvertrags drei Jahre und drei Monate. Die Urabstimmung über eine Annahme könnte laut Cockpit bis zu zwei Wochen dauern, da viele Piloten weltweit im Einsatz sind.

Die Schlichtung hatte am 28. Mai begonnen, nachdem die Tarifgespräche endgültig gescheitert waren. Cockpit hatte zuletzt im Durchschnitt 24 Prozent mehr Gehalt und eine Ergebnisbeteiligung gefordert. Zu Beginn der Gespräche Anfang Februar hatte die Piloten-Gewerkschaft ursprünglich Einkommenserhöhungen von mehr als 30 Prozent verlangt.

100 Millionen Mark Verlust

Mit massiven Streiks hatten die Piloten in der Auseinandersetzung Druck auf Europas zweitgrößte Fluggesellschaft ausgeübt. Allein zwei ganztägige Ausstände mit hunderten Flugausfällen verursachten der Lufthansa möglicherweise einen Verlust von an die 100 Millionen Mark.

In einer Urabstimmung hatten die Mitglieder der Vereinigung Cockpit zuvor mit großer Mehrheit für Streik votiert.

Die Lufthansa hatte die Pilotenforderungen als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit und den Betriebsfrieden des Konzerns abgelehnt. Mehrere Gewerkschafter, andere Lufthansa-Beschäftigte und Politiker griffen die Vereinigung Cockpit wegen der hohen Gehaltsforderungen scharf an. Der Verband hat erstmals völlig eigenständig Tarif-Verhandlungen geführt.

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