Arbeitslosigkeit Nürnberg korrigiert Prognose

Der Arbeitsmarkt kommt nicht voran. Die Quote sank im Mai. Doch die Aussichten sind schlecht.

Nürnberg - Die Konjunkturdelle schlägt immer stärker auf den Arbeitsmarkt durch. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai nur noch saisonbedingt auf 3,72 Millionen gesunken. Saisonbereinigt habe die Arbeitslosigkeit dieses Jahr jeden Monat zugenommen, sagte der Vizepräsident der Bundesanstalt für Arbeit, Heinrich Alt, am Donnerstag in Nürnberg. "Ich hoffe, dass wir im Herbst ein Stück weit aufholen, was wir im ersten Halbjahr verloren haben."

Für des Gesamtjahr rechnet die Bundesanstalt jetzt mit 3,7 statt 3,65 Millionen Arbeitslosen. "Das Wachstum ist derzeit nicht stark genug, um den Arbeitsmarkt zu beleben", erklärte Alt.

Die Zahl der Arbeitslosen sei zwar auf 3,72 Millionen gesunken - das waren 67.500 weniger als vor einem Jahr und 147.100 weniger als vor einem Monat. Die Quote verringerte sich auf 9,0 Prozent. Von jahreszeitlichen Einflüssen bereinigt, sei die Arbeitslosigkeit im Mai jedoch erneut gestiegen - "inzwischen im fünften Monat hintereinander". Die Entwicklung in den alten und neuen Ländern sei sehr ähnlich.

Die gedämpfte Nachfrage aus dem Ausland werde von der Inlandskonjunktur nicht aufgefangen. Sonderfaktoren wie steigende Energiekosten oder BSE-Krise hätten den Konsum im ersten Halbjahr gedämpft.

Bis zum Sommer seien auch keine großen Impulse mehr zu erwarten. "Wir setzen unsere Hoffnungen stärker auf den Herbst", sagte Alt. "Wir gehen von 3,7 Millionen Arbeitslosen im Jahresschnitt aus." Das vom Bundeskanzler gesetzte Ziel, im nächsten Jahr die Arbeitslosigkeit auf durchschnittlich 3,5 Millionen zu drücken, halte er "für machbar, aber ehrgeizig".

In Westdeutschland waren im Mai 2,385 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz, in Ostdeutschland 1,335 Millionen. Die Quote ist im Westen mit 7,1 Prozent nicht einmal halb so hoch wie im Osten mit 17,0 Prozent. Der Rückgang war "erneut spürbar schwächer als im Durchschnitt der Jahre zuvor", sagt Alt.

Saisonbereinigt sei die Arbeitslosigkeit im Westen um 12.000 und im Osten um 6000 gestiegen. Im Osten liege es fast nur an der anhaltenden Krise der Bauwirtschaft. Baugewerbe bleibt das Sorgenkind

Aber auch im Westen sei das Baugewerbe in einer schwierigen Lage, wie deutlich mehr Arbeitslose und weniger offene Stellen zeigten. Bundesweit habe die Konjunkturabschwächung die Rundfunk- und Nachrichtentechnik und die Datenverarbeitung stark getroffen.

Relativ günstig sei die Entwicklung dagegen in Maschinenbau, Fahrzeugbau, Erziehung, Unterricht sowie Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen. Insgesamt meldeten die Betriebe in diesem Jahr sieben Prozent weniger offene Stellen als vor einem Jahr.

Auf dem Ausbildungsmarkt war die Lage im Westen besser als vor einem Jahr, im Osten dagegen angespannter. Seit Oktober wurden den Arbeitsämtern insgesamt 515.600 Lehrstellen gemeldet. Zugleich meldeten sich 625.900 Bewerber. Das seien weniger als im Vorjahr, weil viele Schulabgänger eine Ausbildungsstelle direkt suchten oder den Infoservice ASIS im Internet nutzten, erklärte Alt und appellierte an die Betriebe, weitere Ausbildungsplätze einzurichten.

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