RWE Sparen und wachsen

Der Stromriese erklärt den Preiskrieg für beendet. Endlich Zeit, wieder Gewinn zu machen.

Essen - Nach dem Abflauen der Preiskriege auf dem Strommarkt rechnet der Essener RWE-Konzern im laufenden Geschäftsjahr auch in seinem Stammgeschäft wieder mit einem ansteigenden Ergebnis. Die Mehrheit der Anbieter habe eingesehen, dass mit Preiskriegen kaum Gewinne bei Marktanteilen "und schon gar keine Ertragszuwächse" zu erzielen seien, sagte RWE-Chef Dietmar Kuhnt bei der ersten Hauptversammlung nach der Fusion von RWE und VEW am Donnerstag in Essen.

Um auch langfristig zu den führenden Stromanbietern in Europa zu gehören, wolle der Konzern vor allem in benachbarten Auslandsmärkten aktiv werden, sagte Kuhnt. Auch nach dem Scheitern der Übernahmepläne für das spanischen Energieunternehmen Hidrocantabrico zählten Spanien und Großbritannien für RWE zu den "Schlüsselregionen". Auch in Osteuropa halte der Konzern nach "attraktiven Akquisitionen" Ausschau.

Van Miert ist Kontrolleur

Im Aufsichtsrat, dessen Aktionärsvertreter neu gewählt wurden, soll der ehemalige EU-Kommissar Karel van Miert die Stelle des früheren RWE-Vorstandschefs Friedhelm Gieske einnehmen.

Auf dem inländischen Strommarkt, der nur ein begrenztes Wachstumspotenzial habe, werde der Konzern den Schwerpunkt auf den Ausbau von Beteiligungen an Stadtwerken und Regionalversorgern legen. Bislang hält RWE Beteiligungen an den Stadtwerken in Bonn und Duisburg. Die Aktivitäten im Rhein-Main-Gebiet wurden in der SÜWAG Energie AG gebündelt. Mit dem Kölner Versorger GEW wurde die Gründung einer "GEW Rheinland" vereinbart.

RWE-Chef gegen Ökosteuer

Vehement wandte sich Kuhnt gegen die Ökosteuer, die sich als Preisanstieg auf den Stromrechnungen der Kunden niederschlage. Unter dem "Deckmantel des Umweltschutzes" strapaziere der Staat die Zahlungswilligkeit der Bürger.

"Die Fortsetzung der fiskalisch motivierten Ökosteuer muss ein Ende haben", forderte Kuhnt unter dem Beifall der Aktionäre. Von der am Montag zur Unterzeichnung anstehenden Vereinbarung zum Atomausstieg verspricht sich Kuhnt hingegen "nunmehr verlässliche Rahmenbedingungen" für die vereinbarte Nutzungsdauer der Kernenergie. Der gefundene Kompromiss sei "die beste Lösung aller realistischen Alternativen".

Wachstum um 20 Prozent

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet der RWE-Konzern mit einem Anstieg des Betriebsergebnisses um mindestens 35 Prozent. Im Jahr 1999/2000 (30. Juni) hatte das Ergebnis 2,8 Milliarden Euro (5,5 Milliarden Mark) betragen. Der Umsatz soll nach 47,9 Milliarden Euro im Vorjahr um mindestens 20 Prozent zulegen. Um die Attraktivität der RWE-Aktie zu erhöhen und den Anteil der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien zu verringern, will die RWE AG ein Aktienrückkaufprogramm auflegen.

Der Anteil der "Vorzüge" beträgt zurzeit etwa sieben Prozent. Das Rückkaufprogramm sieht die Möglichkeit vor, bis Mai 2002 Aktien im Umfang von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zu erwerben.

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