Mittwoch, 24. April 2019

Grundig Noch mehr Kündigungen

Die Krise um den Elektronikkonzern spitzt sich zu. Es werden mehr Stellen abgebaut als geplant.

Grundig-Chef Hans-Peter Kohlhammer
DPA
Grundig-Chef Hans-Peter Kohlhammer

Nürnberg - Zusätzlich zum angekündigten Wegfall von rund 900 Arbeitsplatze, werde das Unternehmen bis Ende Juni etwa 300 "vorsorgliche Kündigungen" aussprechen, sagte der neue Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer am Dienstag.

Damit verliert über ein Drittel der 2900 in Deutschland beschäftigten Grundig-Mitarbeiter den Arbeitsplatz. Kohlhammer wies gleichzeitig Spekulationen zurück, der Konzern sei zahlungsunfähig.

Warten auf Kredite

Es sei bekannt, sagte der Grundig-Chef, dass bis zum Monatsende eine Einigung über Qualifizierungs- und Beschäftigungsmodelle zwischen allen Beteiligten erfolgen müsse, damit die Banken zugesagte Kredite zur Verfügung stellten.

"Daraus jedoch zu schließen, die Grundig AG sei bereits im Juni nicht mehr in der Lage, die Löhne und Gehälter seiner Mitarbeiter zu zahlen, ist eine nicht den Tatsachen entsprechende Unterstellung." Kohlhammer räumte jedoch ein, Grundig habe "ein sehr substanzielles Problem, wenn die Banken diese Kreditlinie nicht genehmigen".

Hoffnungen auf Funk-Ausstellung

Laut Kohlhammer werden 1083 Arbeitnehmer am Standort Nürnberg und 180 in Bayreuth bis Ende Juni ihre Kündigung erhalten. Falls sich die Auftragslage nach der Internationalen Funk-Ausstellung in Berlin im Sommer bessere und vor allem die geplanten eigenständigen Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaften zu Stande kämen, "werden die entsprechenden Präventiv-Kündigungen zurück genommen", versicherte Kohlhammer.

Zu dem Ende März bekannt gegebenen Abbau von 656 Stellen in der Fertigung von Fernsehgeräten, fielen noch rund 250 Stellen in der Nürnberger Verwaltung weg. Für die 114 von der Kündigung bedrohten Mitarbeiter im Formenbau werde nach Lösungen für externe Aufträge gesucht.

Kritik an Arbeitnehmervertreter

Kohlhammer kritisierte die Arbeitnehmervertreter, sie würden mit der "Verbreitung von Halbwahrheiten in der Öffentlichkeit" das Vertrauen für eine schnelle Einigung untergraben.

Der Elektronikkonzern hatte Ende März angekündigt, ein Sanierungskonzept der Unternehmensberatung Roland Berger umzusetzen.

Demnach wird die Fertigung von Fernsehgeräten in Nürnberg aufgegeben und komplett nach Wien verlagert. Weltweit beschäftigt Grundig derzeit noch 5900 Mitarbeiter.

Der angeschlagene Elektronikkonzern hatte im vergangenen Jahr nur durch Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 77 Millionen Mark (39,5 Millionen Euro) einen Jahresüberschuss von gerade einmal 1,9 Millionen Mark erreicht.

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