NS-Zwangsarbeiter Mitglieder machen Druck

In der Stiftung gibt es Streit über den Beginn der Auszahlungen. Chef Gibowski bleibt hart.

Berlin - Der Kölner Unternehmer Wolfgang Müller forderte die Auszahlung der Entschädigungsgelder ohne weitere Vorbedingungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter. Die Betroffenen bräuchten dringend das ihnen zustehende Geld, sagte Müller in einem Interview des Deutschlandfunks am Montag.

Der Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, Wolfgang Gibowski, hatte die Abweisung einer Klage im US-Bundesstaat Kalifornien als Voraussetzung für erste Entschädigungszahlungen deutscher Firmen genannt.

Vergangene Woche hatte ein US-Bundesgericht die Abweisung einer Sammelklage in New York ohne die bisher umstrittenen Bedingungen angeordnet.

Müller: "Historischer Verantwortung nachkommen"

Müller, der Mitglied der Stiftung ist, hatte mit 42 anderen Mitgliedern der Initiative am Wochenende den Aufruf "Jetzt auszahlen" veröffentlicht. In einem offenen Brief appellieren die Kritiker an Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Lassen Sie nicht länger zu, dass eine Hand voll von Unternehmen die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag daran hindern, ihrer historischen Verantwortung nachzukommen."

"Er (Gibowski) verlangt jetzt, dass mehrere Verfahren beendet werden. Da kann er immer mehr aus dem Täschlein ziehen, weil man niemandem Betroffenen verwehren kann, noch ein anderes Urteil herbeizuführen", sagte Müller. Bedenken seien sicherlich berechtigt, aber es gebe genug Mitglieder, die der Meinung seien, jetzt sei Schluss, es müsse gezahlt werden. Durch das Verzögern nehme zudem das Ansehen der deutschen Wirtschaft Schaden.

Kritik ist "Unfug und Effekthascherei"

Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft hat die Kritik aus ihren eigenen Reihen als "Unfug und Effekthascherei" zurückgewiesen. Gibowski warf Müller vor, "überhaupt nicht Bescheid zu wissen".

Müller sei außerdem nur mit einem "Mini-Beitrag" beigetreten. Zusammen hätten die 43 Unternehmen, die sich dem Aufruf angeschlossen haben, nicht mal ein Prozent zur Gesamtsumme beigetragen, sagte Gibowski am Montag im InfoRadio Berlin-Brandenburg.

Mehr als 43 Unternehmen für die Auszahlung

Müller zeigte sich hingegen überzeugt, dass mindestens die Hälfte der Mitglieder der Stiftungsinitiative sein Anliegen unterstützt. Die 43 Unterzeichner seien nur die, die spontan seinen Unmut geteilt hätten, sagte er am Montag im Deutschlandfunk.

Der Initiative gehören insgesamt gut 6300 Unternehmen an. Müller verlangte außerdem, dass die wegen der Verzögerung der Entschädigungszahlungen anfallenden Zinsen vollständig den Opfern zu Gute kommen sollen. "Es ist ja nicht so, dass sie (die Betroffenen) mit Reichtümern behäuft werden."

Es könne gar nicht genau ausgerechnet werden, wie viele es seien und was denen gegeben werden könne, da sei so ein kleiner Reservebetrag gar nicht verkehrt, sagte Müller.

Keine 700.000 Mark Zinsen pro Tag

"Völlig abwegig" nannte Gibowski die Berechnungen des IG-Metall-Chefs Klaus Zwickel, wonach täglich Zinserträge in Höhe von 700.000 Mark aus den bislang gesammelten Beiträgen zur Entschädigung der Zwangsarbeiter auflaufen würden.

"Es ist weit weniger", sagte Gibowski dem "Mannheimer Morgen" (Montag), da viele Firmen wegen der weiter ausstehenden Rechtssicherheit ihren zugesagten Beitrag noch nicht eingezahlt hätten. Fünf Milliarden Mark seien zwar inzwischen von der Wirtschaft garantiert. Wie viel Geld sich allerdings schon auf den Konten der Initiative befinde, wollte Gibowski nicht sagen.

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